Bayern

Kaum in Bayern angekommen, wolle sie mit ihm am Telefon klären, wie sie ihm die Prozente überschreiben könnte. Aber sie bekam zu hören, das sie sich mal um ihre Muckibude kümmern sollte und das die Telefonrechnungen nicht bezahlt werden, da er nicht einsieht, das er „Ihre RECHNUNGEN“ nicht zahlen würde.

Sie hatte ihn gebeten, die Rechnungen zu zahlen, sie würde es ihm später zurück zahlen. Er dachte gar nicht daran! Sie war erst mal fassungslos um dann wütend in den Höher zu schreien. Nein, er blieb sachlich, überheblich, mit vollem Wissen das sie das noch mehr zum Kochen brachte. Wenn er denn anrief, kam immer nur die Frage, wie willst du mir den Rest der Miete zahlen.

Sie rechnete ihm vor, was sie zahlen musste, dank ihm, und kam auf knapp 150 Euro die sie noch zum Leben hatte. „Wieviel denkst du, willst du von mir gezahlt haben!“ Sie spürte förmlich sein inners Grinsen. Was hatte er denn vor? Wollte er sie einfach hängen lassen? Sein Geld nehmen und sie einfach aus seinem Leben streichen? Das ging doch nicht einfach so, sie hatten doch noch gemeinsame Verpflichtungen! Sie versuchte eine Wohnung in Bayern zu finden, sie hatte sich entschlossen einfach da oben zu bleiben. Sie hätte auch eine bekommen, aber ohne Kaution lief da gar nichts.

Sie telefonierte sich die Finger wund, aber es klappte nicht. Vor allem hatten ihr die Psychologen da oben geraten, das sein zu lassen. Also gab sie es auf. Und immer, wenn er denn nach ein paar Tagen mal auf ihre SMS reagierte, bekam sie immer wieder das gleiche zu hören, wie zahlst du die Miete? Sie konnte kaum schlafen, konnte sich nicht an den Ausflügen der Mitschüler beteiligen, saß im Abseits. Denn sie musste ihr Geld zusammen halten, wie sonst sollte sie, wenn sie zurück kam eine neue Wohnung finanzieren?

Er meinte, sie könne ja wieder in die Wohnung zurück kommen! Nein, sie würde diese Wohnung nur noch betreten um ihre persönlichen Sachen zu holen. Er wollte die Prozente, aber sie wollte sie ihm nur geben, wenn sie aus dem Dispokredit heraus kommen würde. Wie immer half ihm sein Vater aus der Scheiße und zahlte den Dispo. An diesem Punkt wäre Carina sogar noch bereit gewesen, ihm die Prozente für das Auto zu geben, aber er behandelte sie wie einen Kunden, der seine Rechnung nicht zahlt. Sie wurde immer wütender. Niemand aus der Familie sagte mal was gegen seine Handlungen, nein sie taten noch so, als wenn das alles nicht so schlimm wäre.

Außerdem hatte er nur einmal ihre Post nachgesandt, ein weiteres Mal würde er das nicht tun, hatte er zu verstehen gegeben. So kam sie nicht an ihre Post und eventuelle Rechnungen heran um sich zu kümmern. Aber immer wieder der Hinweis, die Rechnungen müssen bezahlt werden. WOVON sollte sie das zahlen. Sie hatte ihn ein zweites Mal gebeten, aber er zeigte keine Kooperation mit ihr. Sie wusste was nun auf sie zukam. Sie würde Inkasso scheiben bekommen, sobald die Mahnungen nicht bezahlt wurden. Sie hatte nicht mal Daten, damit sie sich darum kümmern konnte. Das war der Dank, das sie ihn geheiratet hatte um ihm wieder auf die Beine zu helfen!

NIE WIEDER WERDE ICH HEIRATEN! Das waren ihre Gedanken, während Carlo sie buchhalterisch abservierte. Bald darauf wurde die Internetkarte, die sowieso nie ging, gesperrt. Zwei Tage später das Handy. Sie wurde so von ihren Kindern abgekappt, denn sie hatten ja nur Handy. Das machte sie richtig wütend. Von da an, war für sie klar, dass er die Prozente fürs Auto von ihr nicht mehr bekommen würde. Sollte er doch ein Haufen Geld für die Autoversicherung zahlen. Wenn er so mit ihr verfährt, warum sollte sie dann noch versuchen mit ihm klar zu kommen.

Jetzt spürte sie nur noch die Demütigungen, Beleidigungen und fühlte sich buchhalterisch , kostengünstig abgeschoben! Das sollte er ihr büßen. Doch zunächst hatte sie jetzt das Problem keine Wohnung zu haben. Sie rief einen Kumpel an, den sie in Bad Nauheim kennen gelernt hatte und der brachte sie an die richtige Adresse. Sie rief eine Bekannte aus der Klinik an, und so kam sie auf Umwegen auf eine kleine Wohnung in der Nähe von Gießen. Somit war dieses Problem gelöst. Ihr Arbeitslosengeld hatte sie bei Zeiten auf ein anderes Konto fließen lassen, so das er ihr das nicht auch noch wegnehmen konnte.

Sie wusste nachher nicht, wie sie die Arbeitserprobung immerhin noch mit durchschnittlichen Noten, zum Teil sogar überdurchschnittlich abgeschlossen hatte. Nur leider war es nicht genug, um die Umschulung zu bekommen die sie gerne gemacht hätte. Traurig setzte sie sich in den Zug und fuhr in Richtung ihrer neuen Heimat und freute sich auf ihr neues Zuhause, das sie noch nicht einmal gesehen hatte. Sie konnte es nicht unterlassen ihn anzurufen und sich bei ihm für „die RUHE“ zu bedanken, die er ihr gegeben hatte.

Ihre Bekannte holte sie am Bahnhof ab, und nahm sie erst einmal mit zu sich nach Hause, denn sie hatten zwar ein Bett für sie, aber es war noch nicht in der Wohnung. Sie erzählte ihren Bekannten, die sich sehr schnell als echte Freunde erwiesen, ihr Elend. Sie gaben ihr alles, alles was sie für den Anfang brauchte. Bett, Matratze, Couch, Küche, Herd, Waschmaschine. Sie musste nichts anschaffen für den Moment, was ihr sehr half. Sie wusste gar nicht wie sie das je wieder gut machen sollte. Die Wohnung war eine kleine Kellerwohnung in der sie sich sehr schnell wieder heimisch fühlte. Sie halfen ihr, das sie wieder ein Telefon bekam, das sie wieder ins Netz konnte, um wenigstens mit ihren Freunden in Kontakt bleiben konnte. Leider auch wieder mit IHM. Sie begann ihn zu bombardieren mit Mails, SMS, und wurde immer giftiger. Ihre Ärztin hatte ihr gesagt, das das Blutbild nicht in Ordnung sei, und dann kamen die Erinnerungen. Die Erinnerungen an eine schwere Zeit, an den Sex Chat, den sie eines Abends komplett gelesen hatte. Die Demütigungen, der Betrug. Nein, sie würde das nicht noch einmal durchstehen, noch eine Chemo, niemals. Nicht mit den Erinnerungen! Sie wollte das er einsah, was er für einen Dreck gemacht hatte, aber alles was sie erreichte war Ironie, weitere Ignoranz. Sie versuchte das Gewissen seines Vaters erreichen, ergebnislos.Der Schwiegervater zahlte einige  der Rechnungen und bei der anderen bot er erst Hilfe an, dann war ihm das zu viel und er zog sein Angebot zurück. Was er nicht kapiert hatte, war einfach die Tatsache, dass Carina nur Gerechtigkeit wollte, kein Geld! S

ie schrieb in allen Einzelheiten was zwischen ihr und Carlo geschehen war, in einem Blog im Internet. Sie wollte ihn nur noch demütigen, genauso wie er es mit ihr gemacht hatte. Und immer diese „INTERNET SEITEN“ im Kopf, die er besuchte, wenn er sich selbst befriedigte. Frauen, die vergewaltigt wurden und dann bestialisch umgebracht wurden. Sie hatte von seiner Fantasie Kenntnis gehabt, und gehofft, das er in der Therapie darüber reden würde, und so von diesem Drang befreit werden könnte. Aber Fantasie haben, und es in der Form ausleben, sind zwei verschiedene Dinge. Zu wissen, dass man selbst nicht attraktiv genug für ihn war, und er sich mit diesen Dingen sexuelle Erfüllung holte, war einfach widerlich.

Aber sie durfte das nicht sagen. Also schrieb sie seinem Bruder und gab ihm den Link. Leider waren die Seiten aus dem Netz genommen. Ihr machte es keinen Spaß im Netz zu schreiben, es machte sie nur krank, und irgend wann sah sie ein, das das dumm und grausam war. Und vor allem ihren eigenen Organismus schadete. Sie verlor ihr „ICH“ sein durch diese ganze Angelegenheit. Das durfte sie nicht zulassen. Deshalb hörte sie auf. Als ihr Schwiegervater ihr auch noch sagte: „Wir wissen von seinen GRENZWERTIGEN Seitenbesuchen!“ gab sie es ganz auf. Was sind das für Menschen, die diese miese Art auch noch deckten. S

ie merkte, dass sie nicht nur sich schadete, sondern auch ihre Selbstachtung verlor. War er es wert, das sie zu einem unmenschlichem Monster wurde? War er es wert, das sie sich derart aufregte? Nein! Sie begann zu begreifen, dass sie eben wieder einmal eine sehr hässliche Erfahrung gemacht hatte, und andere mit ihr. Das musste ein Ende haben. Und sie beendete es. Sie begann sich auf ein neues Leben vorzubereiten. Bald sollte sie abermals von vorne beginnen und wieder einmal nur mit ihren wenigen Habseligkeiten von einem Bundesland zum anderen ziehen.