Kapitel 8 / Teil 1

Carlo hatte schon mal vorgesorgt, das er nicht jedes WE kommen brauchte. Es sei ja weit weg, und kostete zu viel Spritkosten. Sie hat es irgendwie akzeptieren können. Aber sie wollte sich darauf konzentrieren, das sie endlich abnahm, damit sie für ihn auch wieder attraktiver würde. Sie fühlte sich in der Klinik nicht wohl, viele Aussagen, die ihr die Hoffnung nahmen, je wieder Arbeit zu bekommen. Ohne die Menschen, die ich auf der Klinikterasse kennenlernte, hätte sie die Reha längst abgebrochen. Aber das viele Lachen, das sie in den letzten Monaten so vermisst hatte, ließen sie durchhalten. Sie konnte nicht ahnen, das genau einige diese Menschen ihr Monate später die größte Hilfe in einer sehr schweren Zeit für sie sein würden.

Jeden den sie da oben kennen lernte, hatte sie irgendwie ins Herz geschlossen. Jeden auf seine eigene Art. Dann lernte sie einen Polen kennen, der wunderbar malen konnte. Sie ließ sich zeichnen, denn sie hatte ein wundervolles Bild von ihrer Freundin bekommen, das sie in der Schweiz während eines Kurzaufenthaltes gemacht hatte, bekommen. Das Bild zeigte wenigstens ihre Schönheit die sich im Gesicht abzeichnete,wenn sie einigermaßen ausgeglichen war. Vielleicht würde er wenigstens dieses Bild irgendwo hin tun und es nicht in einem Müllhaufen voller Papiere rumliegen lassen. Sie würde bald Geburtstag haben und sie machte ihm ein Geschenk?

Sie lachte mal wieder über sich selbst. In den Momenten wo sie nicht darüber nachdenken musste, was eigentlich alles geschehen war in den letzten Wochen, konnte sie mit der Illusion leben es sei alles in Ordnung. Nur leider nicht sehr lange, denn die Telefonate mit ihm waren nicht grad sehr erbauent. Sicherlich auch durch sie bedingt. Aber wenn man als Partner feststellen muss, das der andere Party macht, sobald sie selbst in eine Klinik fährt, ist es auch nicht einfach dann liebevoll zu bleiben. Und wenn dieser dann auch noch doofe Geschichten erzählt, sich jedes Wort aus der Nase ziehen lässt und dann noch ohne mit der Wimper zu zucken lügt, dann wird es schwierig. Er erfand Storys die wirr waren und sein Lügengerüst viel langsam aber sicher in sich zusammen.

„Du willst mir erzählen, du hast alleine getanzt? DUUUU? Du der du die Frauen liebst? Erzähl mir doch nichts!“ wütend hatte sie einfach mal wieder aufgelegt. Was wollte er ihr weiß machen? Aber lange dachte sie nicht darüber nach, denn die Leute auf dem Balkon gaben ihr Ablenkung und viel ganz viel Lachen.

Doch in der Nacht kamen die Ängste zurück. Was tat er, was machte er jetzt wieder für einen Unsinn. Sie dachte an die seine Eltern, denen sie zuvor gesagt hatte, das die Hochzeit abgesagt wurde. Sie hatte die traurigen Augen seiner Mutter gesehen und gewusst, er hatte sie nur unzureichend, „gefiltert“ über die Absage der Hochzeit informiert. Sie wälzte sich in ihrem Bett hin und her und träumte von einem schönen blauen Kostüm, das sie sich nähen lassen würde und dann in der Kirche zur Hochzeit tragen würde. Dieses Kleid hatte sie von ihrer Schwiegermutter bekommen, damit sie etwas schönes für die Hochzeit des Schwagers hatte. Leider nahm sie nur ein Kilo in der Reha ab und sie war tot unglücklich über die letzen Wochen der Reha.

Ihr Schwiegervater holte sie heim. Unterwegs lud er sie zu einem guten Essen ein, und Carina vertraute all ihren Kummer ihren Schwiegervater an. Sie dachte das er es verstehen würde, doch später wurde ihr klar, das niemand das wahre Gesicht von Carlo sehen wollte. Klar war es ihr Sohn, klar wollte man solche Dinge von seinem Kind nicht hören. Aber ich hatte geglaubt, das sie mich genauso in ihr Herz geschlossen hätten, wie ich sie. Nur leider scheint dem nicht zu sein. Carina musste begreifen, das Blut dicker ist als Wasser, und eine Hilfe von der Seite nicht zu erwarten war. Nicht in emotionaler Hinsicht.

Es dauerte nicht lange und Carina kam dahinter , das er mit einer Arbeitskollegin simste. Sie stellte ihm eine Falle. Sie hatte eine SIMS gefunden. Ganz harmlos, nichts wichtiges, sie hatte ihm zum Geburtstag gratuliert, aber sie wollte einfach wissen, ob er sie immer noch belügt. Und das tat er, den ganzen Tag. Immer wieder fragte sie ihn, doch er antwortete immer mit einem Lächeln im Gesicht NEIN. Er sah ihr in die Augen und log ohne rot zu werden! Am Abend konfrontierte sie ihn mit den Lügen. Sie fragte ob er noch anderweitigen Kontakt mit ihr hätte. Er meinte nein, sie fand heraus das sie mit ihm im Netz schrieb. „Deine süße kleine Simone“. So schreibt keine Arbeitskollegin, selbst wenn sie nur mit ihm rumflackst. Heimliche Treffen mit ihr, in einem Thai Restaurant fand sie später heraus.

Carinas Kopf schwirrte nur so, was sollte sie noch glauben und was nicht. Wieder Streit. Sie geht ins Fitnessstudio, zu dem er sie ebenfalls überredet hatte. Nicht dahin zu gehen, sondern einen Vertrag zu unterschreiben. „Mach das nur“ wenn du dann wirklich in Bayern bist, dann werde ich das übernehmen und dort hin gehen, ich muss ja auch mal was tun!“ Eigentlich wollte sie mit dem Vertrag warten, bis sie mehr wusste, was Bayern bringen würde. Sie hatte von der Rentenversicherung einen Bescheid bekommen, indem ihr mitgeteilt wurde, das sie nach Bayern sollte zu einer Berufserprobung.

Sie kommt wieder und er sitzt vor dem PC und befriedigt sich. Sie weiß fast sofort auf welche Seiten er war. Sie schaute ihn an, er tat so merkwürdig. „Na, wars schön? Schöner als mit mir, oder!“ fing an zu heulen und rannte aus dem Zimmer. Als sie sich beruhigt hatte, bat sie Carlo darum, mit ihr in Ruhe zu sprechen. Sie sagte ihm: Carlo es hat keinen Zweck mehr. Wir machen uns kaput, ich will auch gar nicht über all das was war reden. Ich will einfach nur das das ein Ende hat. Ich kann nicht mehr. Ich vertraue dir nicht mehr, du mir nicht mehr.“

Irgendwie wurde dann doch wieder diskutiert, wie es eben ist, wenn man sich mal in Ruhe mit den Dingen befasst, nur leider endete es wieder damit, das er ihr Vorwürfe machte, das sie in seinen privaten Dingen geschnüffelt hatte. Von den Ursachen dafür, wollte er nichts hören. Carina wusste, er hatte den Eltern gesagt, das sie in seinen Sachen gewühlt hatte. Die Ursachen dafür schienen auch dort überhaupt keine Rolle zu spielen. Sie machten Carina ebenfalls Vorwürfe. Carina war nicht stolz auf sich deshalb und hatte deswegen genug Probleme mit sich selbst, aber das er für das was er da trieb, keinerlei Gewissen zeigte, ärgerte sie maßlos. Aber wie immer endete das ganze in Tränen und Versöhnung, die allerdings ohne sexuelle Erfüllung bleiben sollte. Denn er redete sich die letzen Wochen damit raus, das er Potentzprobleme hätte. Carina war es nur recht.

Bei all dem, versuchte Carina dort nicht auch noch Druck zu machen. Sie wollte IHN DOCH NICHT verlieren. Und er hatte gesagt, das er nicht aufgeben will. „Fahr in die Schweiz zu deiner Freundin“ ich denke das wird dir gut tun. „Wir haben kein Geld dafür, es geht nicht, so gerne ich fahren würde. Du weißt ich muss jetzt bald nach Bayern und da brauch ich auch Fahrgeld!“ “Das reicht schon! Ich mach das schon. Wirst sehen!“ versuchte er sie zu überreden. Sie konnte ihn manchmal nicht verstehen. Immer wenn er vom Geld redete, war sein Buchhalter der Redner. Er sagte, sie hätten nach seinen Berechnungen 1600 Euro zum Leben. Sie sah auf dem Konto was anderes. Immer wieder gab es darum Streit.

Sie hatten vom Vater einmal 2500 Euro bekommen um sich Küchengeräte und andere Dinge anzuschaffen. Carina war froh, dass das abbezahlt war. Dann ging mal wieder dieses verdammte Auto kaput und rückzuck, waren sie wieder bei 2500 von denen sie einfach nicht wegkamen. Immer wenn sie sagte, wir müssen daran arbeiten, fiel er ihr ins Wort. „Das wird schon, und das sind keine Schulden, das ist Geld das dir zusteht!“ bla bla bla. Sie konnte es nicht hören, sie wollte weg davon. Nun hatte sie die Hoffnung, eine Umschulung zu bekommen und etwas mehr Geld dazu. Davon könnte man dann eine höhere Rate abzahlen. Davon wollte er nichts hören. Sie hatte aufgehört mit ihm darüber zu debattieren, und im Moment schien es ihr für beide die beste Lösung erst mal ein paar Tage weg zu fahren.

Wider besseren Wissens fuhr sie in die Schweiz. Was ihr sehr gut tat, aber auch die Erkenntnis brachte, das sie diese Beziehung beenden muss. Wochen später erfuhr sie, das Carlo die Zeit nutzen wollte um nach Österreich zu fahren, eine gemeinsame Freundin besuchen. Leider hatte er nicht damit gerechnet, das diese Freundin Carina seinen Annäherungsversuch mitteilte. Sie hatte Angst vor ihm, weil er offensichtlich NICHT MIT CARINA dort hinkommen wollte. Carlo spürte das sie etwas wusste, aber Carina sagte nichts. Carlo rief an oder Carina ihn. Irgendwann bat sie ihn nicht über Handy anzurufen. Denn jedes Gespräch endete im Streit und entweder er legte auf, oder sie legte auf. Als sie heimkam, brachte der Briefträger ein Paket. Sie öffnete es und fand die Rechnung über 300 Euro für Anziehsachen. „Ah so geht das also, man schickt die Alte weg und dann kleidet man sich neu ein. Und die Alte sitzt in der Schweiz und hat keinen Pfennig Geld, sowenig das sie sich die Rückfahrkarte von ihrer Freundin vorlegen lassen muss. Das Konto war leer und da sein Arbeitgeber seine Rechnungen nur unregelmäßig zahlte (lag es am Arbeitgeber oder an Carlos Unzuverlässigkeit?) wurde ihr ganz bange.

Aufgeräumt hatte er natürlich auch nicht. Aber was sie am meisten erschreckte, war die Karte die er angefordert hatte. Eine Kreditkarte. „Nein, das kommt nicht in Frage“ denkt sie,und voller Wut zerschneidet sie diese. Sie hatte vor 2 Jahren einen ähnlichen Fehler gemacht. Sie wollte die Karte zerreisen, aber Carlo meinte, es könnte ja ab und an mal helfen. Es ging um 500 Euro, die natürlich sehr schnell weg waren. Sie ärgerte sich maßlos über sich, dass sie diese Karte damals nicht einfach zerschnitten hatte. Sie war froh, dass das relativ schnell ausgeglichen war. Aber sie kannte Carlo, hier ging es nicht nur um 500 Euro. Deshalb gab es natürlich wieder einen heftigen Streit der in Vorwürfen und Beschimpfungen endete, und der Aussage von Carlo und ich werde es dir nie vergessen das du in meinen „privaten Sachen geschnüffelt hast!“

Kapitel 8 /Teil 2

Sie wollte nicht weinen. Sie wusste, er machte sich über ihre Tränen lustig. Sie wusste er glaubte ihren Tränen nicht. Sie wusste, das er glaubte, das sie ihn damit manipulieren wollte, Das tat weh. Aber nicht weinen tat noch mehr weh. Sie wusste nicht wie sie irgendwann zwischen zwei Polstersesseln gelangt war und nur noch schluchzte. Carlo kam und wollte sie trösten. „Fass mich nicht an, fass mich nicht an!“ sie währte sich gegen seine Nähe. Es dauerte eine Ewigkeit, ehe er sie aus dieser Stellung befreit hatte und sie beide zum Schluss gemeinsam weinten.

Sie schluchzte nur, es ist vorbei, es ist vorbei Carlo. Es hat keinen Wert mehr. Ich liebe dich, aber wir werden uns gegenseitig zerfleischen. Und er weinte, nein , es darf nicht zu Ende sein. Und wieder schaffte er es, das sie sich vornahmen, es wieder zu versuchen. Es dauerte kaum eine Woche und es knallte wieder. Wieder ging es um eine andere Frau. Wieder kam sie von dem Fitness Studio heim und er saß in eindeutiger Pose vor dem PC. Sie sagte nichts, aber er wollte diese „Arbeitskollegin treffen“ denn die Verabredung hatte er dann schnellstens organisiert als sie weg ging. Sie schrie ihn an: Wenn du jetzt gehst, dann passiert hier was!“ Er ging einfach.

Sie rief verzweifelt ihren Schwiegervater an. Er meinte: „Wer auszieht, zieht auch wieder ein!“. Carina verstand das nicht. Was sollte diese Aussage? Sie hatte aus Vertrauen zu ihm bei ihm angerufen. Aber vermutlich konnt sein Vater ja nicht begreifen, was in ihr vorging. Sie legte auf, und dann brach jegliche Zurückhaltung in ihr zusammen und sie nahm sein Zimmer auseinander. Sie wühlte in allen Schubläden, im Pc forschte sie und fand Passwörter. Sie fand alles heraus, was in den letzen Jahren seine Privatsphäre war, die er so bitter verteidigte. Und den Sexchat, den Chat, der ihr fast das Herz heraus riss. Sie las die ersten Zeilen einer CD auf die er alles abgespeichert hatte. Sie kopierte es auf ihren PC. SIe zerschnitt mit  einer Schere die Puppe, die sie ihm einst geschenkt hatte in kleine Teile. Sie wusste nicht warum sie das tat, später sollte sich herausstellen, das sie das für ihren Hass benötigen würde. Der Hass der aus ihr einen anderen Menschen machen würde. Sie zerbrach vor seinen Augen die CD, es knallte heftig bis sie sich nichts mehr zu sagen hatten und sie mal wieder in Tränen ausbrach. Wieder wollte er sie überzeugen, das ihre Beziehung zu retten sei. Weiß der liebe Gott warum sie ihm immer noch glaubte, da es aber kaum ein paar Tage anhielt, entschloss sie sich endgültig Schluss zu machen.

Er akzeptierte es. Sie wollten wenigstens die Freundschaft zwischen ihnen (welche Freundschaft zum Kukuk noch mal?) retten. Sie wollten die Wohnung behalten und ansonsten die Dinge so belassen wie sie sind. Heißt, sie würde ihr Arbeitslosengeld bekommen und die Miete und so weiter davon als erstes bezahlen und er würde nach wie vor sein Geld auf dieses Konto schicken, damit alle Rechnungen bezahlt werden konnten. So war es vereinbart. Solange bis alle notwendigen Dinge erledigt sind.

Da Bayern kurz bevorstand, wollte Carina diese Chance erst noch nutzen, bevor sie sich um ein neues Leben kümmern würde. Aber es sollte alles ganz anders kommen. Da sie bald nach Bayern musste, hätte er die Wohnung sowieso für sich alleine, denn sie käme ja eh nur zum Wochenende heim. „Carlo aber bitte, wenn du was neues hast, halt es fern von mir, lass es aus dieser Wohnung heraus, können wir uns darauf einigen?“ „Natürlich, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, ich werde einfach darauf hoffen das der Abstand durch Bayern uns irgendwie wieder näher bringt!“ Weinend hatte er wieder vor ihr gehockt und ihr gesagt, wie sehr er sie doch liebe.

Sie antwortete darauf nicht, An nächsten Tag, ein Sonntag, klingelte das Telefon und er teilte ihr mit, das er mit zwei Arbeitskollegen in den Rheingau fahren würde. Wusste er denn nicht, das allein dieses Wort sie schmerzen würde. Sie lies ihn ziehen, sie hatte ihn frei gegeben, also konnte er tun und lassen was er wollte. Als er spät heim kam, sagte er ihr, er hätte sie vermisst. Sie sah ihn an, sagte nichts, aber in ihr sagte etwas, das sie ihm nie wieder nur ein Wort glauben könnte. Und es war gut, das sie einen Schlussstrich gezogen hatte.

Nur leider hielt er sich nicht an die Absprache und nur einen Abend später ging er aus dem Haus zu seiner neuen Freundin. Das er eine neue längst hatte, hat er natürlich nicht gesagt. Carina wusste es, sie wusste es und wusste aber nicht wieso. Aber sie wusste es. Spät in der Nacht war Carlo noch nicht zurück, langsam machte sie sich Sorgen, es regnete und stürmte, aber sie konnte trotz allem nicht einfach denken, lass ihn doch. Also rief sie ihn an. Er ging nicht ans Telefon, er nahm zwar das Telefonat an, aber er sprach nicht mit ihr. Dafür durfte sie dann zuhören, wie er sich über sie lustig machten und wie er mit der anderen schlief. Denn sein Stöhnen war Carina nur zu bekannt. Er kam heim, am frühen Morgen und grinste sie auch noch an. Er zog sich vor ihren Augen aus und sie konnte fünf lange blutige Streifen an seinen Oberschenkel sehen. Eindeutig die Spuren langer Fingernägel. Harter Sex, war wohl seine Vorliebe, über die er mit Carina nicht sprach. Dann ging er ins Schlafzimmer und legte sich hin.

Carinas Herz raste vor Wut. Sie nahm eine Tapezierschere und stellte sich in die Türe zum Schlafzimmer und wartete das er aufstehen würde. Nach ein paar Minuten, die ihr wie eine Ewigkeit vor kamen, rüttelte ihr Verstand sie wieder auf. „Nein, das ist kein Mann dieser Welt wert, das du dich strafbar machst. Leg das Ding weg und geh ins Wohnzimmer!“ Mechanisch gehorchte sie ihren Gedanken, legte die Schere in ein Sideboard, schloss es ab und warf zur Vorsicht den Schlüssel einfach in den Garten weit in die Böschung hinein. Einfach zur Vorsicht, damit sie nicht noch mal in Versuchung kommen würde. Am nächsten Morgen bat sie ihn seine Sachen zu packen und zu seiner neuen Freundin zu gehen. Er konnte nicht ahnen, wie nah er einem Attentat war.

Sie wollte Schadensbegrenzung, soweit wie möglich, für ihn als auch für sich. Sie hatten sich inzwischen geeinigt, das er den Wagen bekommen soll. 14 Tage lang telefonierte sie hinter ihm her. Als Antwort bekam sie nur dumme Ausflüchte, oder „Wir sind im Kloster Eberbach spazieren!“ Warum tat er das, warum sprach er von einem neuen Wir, wo es sie doch so schmerzte. Nach 14 Tagen verlor sie die Geduld und nötigte ihn zum Straßenverkehrsamt. Dort hielt er ihr ein Stück Papier entgegen, das er sie nicht mal lesen lassen wollte. „Carlo, was soll das. Du musst nicht von dir auf andere schließen! Wenn du mir das Papier nicht lesen lässt, bekommst du die Unterlagen nicht, ganz einfach!“ Auf dem Papier stand kurz gefasst die Aussage, das er das Auto bekommt und er keine Ansprüche mehr aus dem gemeinsamen Konto hätte! Sie sah ihn an und sagte:“ Sag mal für wie dumm hältst du mich eigentlich? Danach, hättest du das Auto und ich säße alleine da mit 2500 Euro Schulden? Hatten wir uns nicht geeinigt, das du das Mobiliar behältst, ich keine Forderungen an dich habe und das Auto deins wird, und ich dir die % gebe?“ Irgendwie konnte sie ihn nicht mehr anschauen, ihr wurde übel bei seinem Anblick.

Irgendwas von Schlange Kah ging ihr wieder durch den Kopf. Er ließ sich dazu hinab, etwas anderes zu formulieren und sie gab ihm die Umschreibungspapiere. Jetzt war sie gewarnt, so sollte also seine „gute Trennung“ von statten gehen. Mit Hinterhältigkeit und dem Versuch sie reinzulegen. Sie hatte noch Geld vom Konto geholt, denn die Umschreibung hatte Geld gekostet. Er wollte ihr den Rest geben und meinte, das wäre ja ihrs. „Nein, es ist deins, du bezahlst die Umschreibung, nicht ich.“ Sie wollte sowenig wie möglich vom Konto runterholen, denn wie immer hatte sein Arbeitgeber seinen Lohn nicht gezahlt, nahm sie an. „Was ist jetzt mit deiner Rechnung“? fragte sie ihn.

„Das Geld kommt schon, keine Sorge“ meinte er nur. Es kam kein Geld. Weil er es umgeleitet hatte. Umgeleitet, zu einer Zeit wo er ihr immer wieder schwor, er würde sie lieben! Sein Vater hatte dieses Geld für ihn angenommen. Zu einer Zeit, als sie nicht wissen konnte, das seine Eltern bereits wussten, das er eine andere hatte. Er hatte sie sogar schon bei seinen Eltern vorgestellt und vor Caruba liegt er am Boden und heult wie sehr er sie doch liebt! Wie lächerlich, wie grausam , wie hinterfotzig. So saß sie in der Wohnung, konnte sich nicht mal die Margarine aufs Brot holen. Ihre Nachbarin verpflegte sie mit. Nach fast 6 Tagen ertrotzte sie sich von ihm 200 Euro, denn sie musste ja auch noch die Fahrkarte nach Bayern besorgen.

Sie rief ihn auf der Arbeit an und zerschepperte Geschirr an der Wand. Es war das Geschirr seiner Großmutter, das er so sehr liebte. Sagte sie ihm. Genommen hatte sie ein einfaches Geschirr. Im Nachhinein tat es ihr leid, das sie nicht doch dieses Geschirr genommen hatte. Das machte sie viermal und immer mit einem unglücklichen Lachen im Gesicht. „Na wie ist das Herr H. wenn man am Telefon was hört, was man nicht gerne hört!“ und knallte wieder einen Teller an die Wand. Beim letzten Mal sagte sie ihm, mal sehn wie viel von deinem blauen Geschirr noch da ist, bist du dich entscheidest vernünftig zu werden! sagte sie ihm. Am Abend hatte sie 200 Euro im Briefkasten. Er war vermutlich stinksauer, weil er die % vom Auto nicht hatte, denn Carina hatte sie ihm nicht überschreiben lassen. Sie wollte sie ihm später noch geben, aber die Sache am Straßenverkehrsamt hatte sie so geärgert, das sie sie ihm erst mal vorenthalten hatte. Nun würde er sie niemals kriegen. Nachdem ihr klar war, das Carlo sie nur noch mit „buchhalterischen Augen sah“ begann sie ihre persönlichen Dinge zu packen, alles zu regeln was sie regeln konnte und kündigte die Wohnung fristgerecht zum 31.12. 2006 Fairerweise sagte sie ihm das auch und sagte ihm, das er ebenfalls eine Kündigung schreiben sollte, damit er nicht alleine die Wohnung tragen müsste, es sei denn er wolle mit seiner neuen Freundin dort einziehen. Sie hatte sich inzwischen soweit von ihm gelöst, das sie die neue Freundin nicht interessierte. Nein, eigentlich tat sie ihr schon jetzt leid. Denn er würde sich nicht ändern. Wenn doch, dann wäre es eben so und dann sollten sie glücklich werden miteinander. Die neue Freundin war nicht das Problem für Carina, sondern wie er mit der Trennung umging und immer wieder versuchte, sie als den Drachen darzustellen, der sie gar nicht war. Das änderte sich aber als bald.

Ab hier braucht Carina genau 24 Stunden um alles für sich zu regeln. Eine Freundin holt sie vor der Haustüre ab. Ohne rückwärts zu schauen fahren sie los. Carina in eine ungewisse Zukunft.