Tagebuch 5 Teil 1

25.12

Der Heilige Abend ist vorbei. Er war ruhig, besinnlich und verbrachte ihn wirklich mit Menschen, die ich gerne habe. Zu meinem Glück hätten nur noch meine Kinder gefehlt. Naja, die Zeiten sind vorbei. Carlo und ich haben noch in der Nacht über die Dinge von Tod und Beerdigung gesprochen. Ich weiß nicht, wie er es empfunden hat, aber mir hat es gut getan und irgendwie hat all das seinen Schrecken verloren, weil ich fest daran glaube das ich es schaffe. Da man aber nie weiß, wann das Schicksal wieder zuschlägt, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass man diese Dinge geregelt haben sollte. Es ist wichtig zu planen, was mit dem seelenlosen Körper geschieht. Mein Letzter Wille, der soll nicht nur von Egoismus geleitet sein, sondern auch mit dem nötigen Verständnis des Partners einhergehen können. Naja, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll.

Erst mal bin ich dankbar, dass es mir gestern so gut ging und ich den Abend genießen konnte. Und auch die nächsten Tage wieder gut rumbekomme.

28.12

Habe von einer Internetfreundin eine Mail bekommen und sie war so traurig. Ich antworte ihr:

Liebe Peggy

Nicht weinen, bitte nicht. Ich schickte dich diese Mail um dir zu zeigen das ich kämpfe. Ich wusste nicht, wie ich es dir hätte sagen sollen. Bei dem, was du alles erleben musstest, in deinem Leben ist das hier doch Peanuts. Ich danke nur vor allem eins, das mir das JETZT passiert und nicht als meine Kinder klein waren.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens, ich stell sie mir nicht mehr. Ich stell mir eher die Fragen, ob ich etwas in meinem Leben bereue. Das tu ich nicht, und das macht mich sehr ruhig und zuversichtlich auch für die Zukunft. Wenn ich mal gehen muss, und sollte es eben schnell der Fall sein, ich werde nichts bereuen, und das ist mir wichtig.

Ach Peggy, ich hab so oft an dich gedacht, hab auch öfter mal ne Mail geschrieben, aber du hast nicht geantwortet, deshalb dachte ich, sie braucht ihre Zeit gerade intensiv für sich selbst. Wie ich gesehen habe, war es wohl auch so. Alles andere über Mail. Ich freu mich, dass du dich wieder gemeldet hast. Werde mich mental mal dann auf die vierte Chemo vorbereiten. Ich überlege, ob ich mich mal an die Krebsliga wende. Vielleicht finde ich dort jemand, mit dem ich mehr reden kann. Hört sich jetzt blöd an, aber ich denke immer noch, dass ich im Kopf eine Blockade habe, ich will nicht über meine Krankheit reden. Ich hab Heiligabend abgeblockt, als meine Schwägerin Fragen stellte. Besuchen tut sie mich aber nicht. Ich hatte einfach den Eindruck, das sie nur aus Pflichtgefühl nach meinem Befinden fragt , aber kein echtes Interesse  hat. Naja, was solls,

Ich hab dich lieb. Bye

27.12

Den ganzen Tag kann ich vergessen. Aber jeden Abend das gleiche Spiel. Ablenkung suchen, lesen. Nicht nachdenken. Leider schlägt die Chemo wohl auch auf die Augen. Ich muss mir was suchen, was größer geschrieben ist, als das Buch in dem ich lesen wollte.

01 Jan. 2006

Wenn man Nachmittag um 17 Uhr erfährt das die Tochter im Krankenhaus liegt, die Ärzte nicht wissen, woher die Schmerzen kommen und man selbst sich nicht frei bewegen kann. Das neue Jahr, ich feiere es sowieso nicht mehr, seit ich meinen ersten Mann in Flagrantie mit meiner damals besten Freundin erwischt hatte. Happy new year...

2.01

Ein neues Jahr und gleich wieder Hiobsbotschaften. Susanne im Krankenhaus. Ärzte können aber auch nicht wirklich sagen, was los ist, laut ihrer Aussage. Mach mir Sorgen, würde so gerne zu meinem Kind. Kann nicht wegen dem Krebs, SCHEIßE.

3.01

Susanne ist wieder in Ordnung und auch wieder zuhause. Gott sei Dank

4.01

Ich komm nur selten dazu zu schreiben. Nicht wegen der Zeit sondern eher wegen dem Gefühl des ausgelaugt Seins. Heute dachte ich, ich brauche den Alltag, um kämpfen zu können. Mein Arbeitgeber gehört allerdings definitiv im Moment nicht zu meinem Alltag. Sitze momentan im Eiscafé und habe eiskalte Finger. Hab mir für 6 Euro Stoffreste gekauft vielleicht schaff ich ja doch noch mal das Patch-Worken. Wollte ich immer schon mal machen. Zwei Lampen hab ich mitgebracht. Hoffe Carlo kann es für seine Bastelzwecke verwerten. Für neue Lampen zu erstellen.

Irgendwie schein ich langsam die Zeichen der Krankheit zu tragen. Ein Mann aus der Buchhandlung hat mich gefragt ob ich in der Klinik hier in Bad Schwalbach zur Behandlung bin. Trink dann mal den Café aus und mach mich auf dem Heimweg. Ich versuchs mit den Notizen mal in dem kleinen roten Buch zu bleiben. Frag mich, wieso ich mir immer wieder neue Hefte kaufe.

08 Jan. 2006 17:27

Halte es nie lange vor dem PC aus. Das ärgert mich. Hier hätte ich Ablenkung on Maß, aber mir wird schlecht, wenn ich zulange auf die Buchstaben schau. Und Ablenkung könnt ich grad wieder gebrauchen. Dienstag kommt Nr. 4 auf mich zu. Na, ich lese mal weiter meine Angelique. Die Buchreihe hat mir Schwiegermama ausgeliehen. Sie sind in großen Lettern gedruckt und ich brauch da keine Brille. Und ich kann darin in eine andere Welt abtauchen. Das hilft mir. Ich denke oft und viel in Dankbarkeit an meine Schwiegereltern, die mir meine verstorbenen Eltern irgendwie ersetzen. Aber sie sind ganz anders. Alles nur Fassade, wie ich bald feststellen durfte.

11.01.06

Tatsächlich, wir haben schon den 11.1 und ich hab die vierte Chemo schon intus. Nur noch 2!! Meine körperlicher Zustand hat sich wieder ein bisschen gebessert.

12.1

Jetzt hat es mich erwischt. Ich hab gekotzt. Träume viel von der Vergangenheit. All den Scheiß noch mal erleben? Wozu? Ist das die Chemo oder meine Seele? Ich dachte ich wäre damit durch. Ich sehe Ulrike/ erste Schwägerin/ vor mir. Sie war erst 26 Jahre alt. Hab ihr immer gesagt sie soll ein bisschen auf sich achten denn sie wär eine hübsche Frau geworden. Tja und nun seh ich sie in meinen Träumen als hübsche Frau, die aber verprügelt wird, und Angst hat. HHHH????

13 Jan. 2006 08:47

Diesmal hats mich richtig heftig erwischt. Kotz mir die Seele aus dem Leib. Schitt

14.1

Mehrmals erbrochen. Wollte es immer unterdrücken, aber dann hab ich es zugelassen und dann gings mir besser. Ich habs geschafft. Diesmal schon am 2ten Tag nach der Chemo rauszugehen. Hab mir ein bisschen Obst besorgt und was Leichtes zum Lesen. Und nun bin ich doch echt platt. Außer Puste nur von den paar Metern. Aber ich bin stolz auf mich. Sonst hab ich erst am 4ten oder 5ten Tag geschafft mich aufzuraffen.

15.1 I

Ich habe ein Testament verfasst. Komisches Gefühl so zu tun als sei man nicht mehr da. Nein, keine Endzeitstimmung aber noch allem, was ich jetzt erlebe, denke ich, dass es wichtig ist, diese Dinge mal zu regeln. Hab mal wieder viel geweint. Gott sei Dank war Carlo da. Beruhige mich schneller, wenn er dabei ist.

17.1

Blutwerte im Keller Nicht gerade gute Werte, aber warten wir bis nächste Woche. Interessiert das überhaupt wen? Scheiß egal.

20.1 Hatte gestern und heute wirklich gute Tage, obwohl mir der Mund brennt und die Übelkeit latent vorhanden ist. Hab die Wohnung fertig sauber und die Wäsche erledigt. Ich muss noch Briefe schreiben, die mir schwer fallen. Aber ich habe einfach das Gefühl, das ich das tun muss. Meine Kinder sollen doch noch was von mir bekommen, wenn ich nicht mehr da bin. Ein letztes Wort oder wie auch immer. Morgen früh gehen wir zur Schwiegermama zum Frühstücken. Ich kann mal wieder nicht schlafen. Sobald ich die Augen zumache, spüre ich meinen Körper spüre das Blut durch meine Adern fließen und ebenfalls die Chemie, die ebenfalls durch mich hindurchfließt. Das macht mir Angst und Übelkeit überkommt mich. Ich muss mich bewegen, damit die Gedanken verschwinden. Wie soll ich mit diesen Gedanken nur einschlafen können.

21.1

Hatte wieder einen guten und schönen Tag. Wenn nur nicht immer dieser fiese Chemiegeschmack durchkommen würde. Es wird wieder Zeit ins Bett zu gehen, aber ich habe bereits schon wieder Angst, weil ich meine Unruhe kommen spüre. Im Moment haben wir ja Wochenende. Aber die Woche über nehme ich meiner Meinung nach Carlo zu viel von seinem Schlaf. Hatte ein sehr schönes Gespräch mit Carlos Mama. Habe das Gefühl, das wir uns durch die Krankheit näher kommen.

24 Jan. 2006 18:52

Blutwerte sind heute wieder angestiegen, es geht mir den Umständen entsprechend gut. Bis auf die Gedanken, die mir schon wieder im Nacken sitzen und langsam heranschleichen. Nr. 5, wie kriegst du das hin, schaffst du das auch?... Egal, nicht dran denken, weitermachen und ablenken. Geh weiter Angelique lesen.

25.1

Ich kann mal wieder nicht schlafen, trotz Schlaftablette. Werde die Dinger jetzt mal absetzen. Wozu schlucken, wenn sie eh nicht helfen. Tagsüber bin ich platt und todmüde und nachts kann ich nicht schlafen. Ist das Scheiße. Leg mich über Tag zwar immer wieder mal hin, aber das ist auch nicht das Wahre. Ist eh nur ein Schlummern. Mir brennt der Mund ganz entsetzlich, ich sollte mal mit dem Betaisadona spülen, hab aber blöderweise die Gebrauchsanweisung weggeschmissen und weiß nicht wie. Naja und ich würds sowieso vergessen. Chemo macht wirklich blöd. Naja zumindest schädigt es wohl das Kurzzeitgedächtnis. Na nee, aber so was wie Alzheimer hatte ich sowieso schon. Ich muss grad grinsen. Naja wenigstens hab ich noch Humor; hin und wieder wenigstens. Frag mich gerade ob ich mich gegen meine Gedanken, wehre oder nicht. Dann wieder will ich alle Gedanken aufschreiben und wenn ich dann hier sitze, hab ich keine Gedanken mehr und weiß nicht, was ich notieren sollte, weil doch sowieso alles unwichtig ist. Vermutlich, weil alles so wirr ist.

Tagebuch 5 Teil 2

So viele Gedanken auf einmal, ein Chaos und dann die Angstattacken. Ich bin so müde und doch auch gleichzeitig hellwach. Und ein Gedankengedicht:

NHL was heißt das bloß? Ist es ein Todesstoß?

Krankheit ich hasste dich so sehr, machst mir gerade jetzt das Leben schwer.

NHL ist mein Schicksal? Kriecht durch mich durch wie ein Aal.

Hau ab ich mag dich nicht. Und ich geb dir kein Gewicht!

Kämpfe Kämpfe, gib nicht auf, NHL ist nicht das Ende deines Lebenslauf!

Und hör endlich auf mit Kosenamen für die Krankheit sondern nenn das Kind beim Namen. KREBS ist sein Name Vielleicht musste das ja sein, bin ja auch im Sternzeichen des Krebses geboren... Schitt Gedankengänge, versuchs noch mal mit schlafen. 1 Uhr in der Nacht.

Wieder Gedankenfetzen

Warum hast du an meine Türe geklopft? Ich hatte doch so sehr gehofft,

dass jener Kelch an mir vorübergeht,

man ist wohl doch nicht seines Glückes Schmied.

Jetzt wetzen wir die Klingen und du lässt mich um mein Leben ringen.

Welchen Sinn hat das nur, ich bin total neben der Spur

Richtig! Neben der Spur. Ich frage mich warum, frag mich was ich lernen soll, welche Lehre ich für mein Leben daraus ziehen soll. Ich komme nicht zu einer Antwort. Schreib einfach nur auf was mir durch den Kopf geht. Hab mir nen Tee gekocht. Weiß nicht wieso mir gerade heute so viel Schreibmäßiges durch den Kopf geht. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich vermutlich heute Nacht vor den PC gehockt und an meinem Roman weiter geschrieben. Ja, der könnte jetzt viel dicker werden mit der Erfahrung die ich gerade machen. NHL oder einfacher ausgedrückt Krebs zu verarbeiten dürfte einige Seiten füllen.

28.1 Halb fünf morgens.

Ich werde noch verrückt.

31.01

Blutwerte soweit o.k. Hab immer so ein Elendsgefühl, wenn ich bei der Ärztin im Wartezimmer sitze. So zwei Chemos noch, dann im Mai in die Klinik. Mal schaun, wann es genau losgeht. Sitze beim Arzt und flenne. Na toll. Weiß nicht mal warum.

1.2.2006

Ich verweigere mich meiner Denke. Ich will nicht mehr denken, ich lebe wir mir gerade ist. Schlafen, wenn ich müde bin. Lesen, solange es mich fesselt. Hausarbeit? Rutsch mir den Buckel runter. Ich konzentriere mich auf Kraft sammeln. Gerade jetzt. Chemo Nr. 5 steht vor der Türe. Versuche zu verdrängen so gut es geht.

4.2.

Schiebe die Gedanken beiseite. Hoffe es gelingt mir weiterhin. Hingeben kann ich mich am Mittwoch voll und ganz. Jetzt will ich einfach genießen, solange ich kann. Wenn man von Genießen sprechen kann, wenn man schlapp ist, einem alles weh tut und sich wie ne uralt Frau fühlt. Hab noch ein Buch angefangen mit Gedankensplittern. Gedanken, die mir abends durch den Kopf schießen. Es sind viele Bilder die mir den Kopf voll dröhnen. Wie ein Fotoapparat, der eine Serie von Bildern aufnimmt. Und da sie zusammenhangslos sind, bin ich überflutet damit, deshalb kann ich abends so schlecht schlafen.

5.2

Noch drei Tage und Nr. Fünf geht auf mich los. Fühl mich ziemlich schlapp und eigentlich noch gar nicht fähig, die Nächste zu verpacken. Aber ich muss. Die Zwei schaffen mer auch noch. Ich stell mir so merkwürdige Fragen, lach über mich selber, aber hilft mir nicht wirklich die Fragen hinreichend zu beantworten. Wollt wissen, wie diese Fragen lauten? Gut eine der Blödsinnigsten ist Folgende: Darf ich mich freuen, dass ich "Nur" ein NHL habe, das man gut behandeln kann? Ich fühl mich gut, sollt ich mich schlechter fühlen, denn trotz allem gut Behandelbaren, ich könnt ja auch zu den 20 % gehören!

Sollte ich da nicht viel mehr in die Tiefe meines Selbst gehen und horchen??? Jau, das sind so Fragen, die mich quälen, während ich versuche lustig weiter zu machen und eben "NICHT" zu denken. Susanne hat angerufen und über ihren Bruder geschimpft. Ich kann dazu nichts sagen. Ich liebe beide, aber ich kann mir nicht diese Schimpfworte anhören weder von ihr noch von ihm über sie. Ok. Sein Verhalten ist nicht ok. Aber ich kann von hier aus nicht wirklich urteilen, gedenke denn mich einmischen. Das müssen sie inzwischen alleine machen. Sie muss lernen sich durchzusetzen. Finde es echt traurig, dass sie mich mit diesem Theater jetzt auch noch belasten. Als hätt ich nichts Besseres zu tun. Sofort bereue ich meine Gedanken. Sie können nun wirklich nichts für meinen Zustand und haben selbst mit ihrem Problemen zu kämpfen

6.2

Ich bin unruhig, dabei weiß ich doch, dass mir erst am nächsten Tag nach der Chemo nicht gut ist. ICH WERDE ES SCHAFFEN. Ja ja ja. Scheiße, ich hab grad ne riesen Angst vor der Chemo.

7.2.

Hab wie erwartet kaum geschlafen. Bin also hundemüde. Dann gleich noch den Tropf, der irgendwas beinhaltet das müde macht. Hoffentlich krieg ich ne Liege, dann kann ich zwar unbequem aber eben doch kurz wegnicken. Hab grad ne Schwitzatakke. Ich glaub das wird durch die Angst vor der Chemo noch verstärkt. Angst? Nein, ich glaub nicht mehr das ich Angst habe. Nein, eher so was, wie Respekt, da ich ja weiß, was es mit meinem Körper veranstaltet. Und da ich nicht kneife, hab ich auch keine Angst. Beim Zahnarzt hat ich Angst. Da konnte ich weglaufen. Das geht hier nicht, also kann ich keine Angst haben. Denn ich muss mich dem stellen. Zähne verlieren ist, was anderes als um sein Leben kämpfen. Die Antikörper haben mich umgehauen. Hab nur geschlafen. Es geht mir soweit ganz gut. Ein wenig Hitzewallungen hab ich zwar, aber das ist auszuhalten.

08 02

So, vorletzte geschafft, heißt eher eingenommen oder verabreicht worden. Noch mal vier Wochen dann kann ich dem Ende dieser Behandlung entgegenfiebern.

9.02

Mir geht es richtig übel. Habe Körperzittern, fast 24 Stunden lang. Ohne Carlos Hilfe komm ich einfach nicht mal auf die Toilette. Am Abend zeigt er nach langer Zeit wieder körperliches Interesse an mir, aber ich kann nicht. Also greif ich zu anderen Mitteln, damit wenigstens seine Sexualität nicht zu kurz kommt. Zufrieden liegt er danach neben mir, und ich kann einfach nicht verstehen, warum ausgerechnet in dieser Zeit sein Interesse so steigt, während meines einfach verschwindet. Ich finde es genauer gesagt, ziemlich Scheiße das er mir das jetzt in meinem Zustand auch noch zumutet.  Bald darauf geht er wieder an seinen PC. Ich bin traurig, er merkt es nicht. Aber da es mir den ganzen Tag so mies ging, schlief ich bald ein. So gegen 2 Uhr werde ich wach, und suche nach Carlo, er sitzt am PC und ich merke, wie er eine Seite verschwinden lässt. Ich merke das schon seit längerer Zeit, aber ich mach mir darum keine Gedanken. Soll er sich ablenken, wenn es ihm hilft mit der Situation klar zu kommen. Trotzdem ist da etwas in mir, das mich stört. Ich weiß nicht was.

Aber ich will nicht darüber nachdenken und gehe wieder ins Bett. (Später lese ich in diesem Chat, das er er aufhören müsste zu schreiben, weil ich gerade ins Zimmer komme) „TUT mir leid mein LIEBLING, ich muss Schluss machen“ Sind Worte die mich Wochen später zutiefst verletzten werden. Ich erhol mich langsam von den Nachwirkungen der fünften Chemo. Ich könnt mich jetzt darüber auslassen wie es war die ersten zwei Tage danach. Aber so außer Sicht all dem anderen herum würde das ein falsches Bild wieder geben. Möchte nicht, dass jemand der das liest, dann ganz furchtbar große Angst bekommt vor Chemotherapie, denn ich kann nur eines wieder-holen, es ist zu verkraften.

Logischerweise wird es von Mal zu Mal schwieriger, schließlich ist der Körper durch die Chemo angegriffen und nicht zuletzt ja auch durch die Krankheit. Ich sammele jetzt einfach Kraft für Nr. 6 und dann hoffentlich auch für die Letzte, wie man es mir sagte. So die Fünfte war bisher die schlimmste Erfahrung. Kotzen, bis nichts mehr geht, Zittern und vibrieren in allen Gliedmaßen, Kopfschmerz, Heulataken und die Angst führen zu dem Entschluss: NIE WIEDER. Diese Etappe der Chemotherapie brachte mir den schlimmsten Muskelkater aller Zeiten ein. Hat sich alles natürlich wieder relativiert, trotzdem bleibt Angst und nur noch wenig Kraft und Mut für die Letzte.

„Die Letzte“ Das ist es eben, wird es wirklich die Letzte sein? Werden sie vielleicht doch noch was finden und ich muss noch mehr Chemie in mich aufnehmen? Ich habe große Angst vor der letzten Chemo entwickelt, und bettel bei Carlo, das er sich bitte freinehmen soll, für den Tag danach, damit ich nicht so alleine bin mit meinen Ängsten. Denn es furchtbar so alleine in der Wohnung mit den Nebenwirkungen. Doch es ist sinnlos. Er kriegt kein Frei angeblich. Ich erinnere mich das er sich am Abend für diesen Tag mit einem „Arbeitskollegen“ zum Essen verabredet hatte. Nun hatte ich es bis hierher alleine geschafft und bettel und bekomme ein Nein. Was macht das Carina? „Du bist stark“ das schaffst du auch noch. Naja, das End war dann, das meine Freundin sich 2 Tage Urlaub für mich nahm.