Vanessa

Das Würli besucht Vanessa

Max hatte viel von dem Nachbarmädchen mit dem Namen Vanessa erzählt, so das Würli richtig neugierig war. Eines Tages kam sie dann mit ihren Eltern zu Besuch. Nach dem gemeinsamen Kaffee trinken mit den Eltern durften die Kinder aufstehen und rannten sofort in Max Zimmer, wo das Würli schon ganz aufgeregt wartete. Vanessa rannte sofort zum Aquarium um den Wurm zu sehen, der so toll aussehen sollte. Das Würli reden konnte, das hatte Max tunlichst verschwiegen. Das sollte ja das Geheimnis zwischen ihnen bleiben. Felix redete auch ab und an mit Würli, aber er vergaß das immer wieder schnell und meinte dann nur, das er wohl Selbstgespräche führen würde.

Sie schaute also ins Aquarium und Würli hatte sich so positioniert, das die Sonne auf ihn fiel. Das lies die Farben besonders schön erscheinen. „Oh wie schööön!“ verzückt sah Vanessa ins Aquarium „Vanessa?“ sagte das Würli Vanessa machte ganz große Augen, sagte aber nichts. „Vanessa, du bist aber ein hübsches Mädchen! Und klug sollst du auch noch sein! Aber pssst. Nichts sagen, das ich mit dir Gedanken austausche!“ dachte Würli „Du kannst Gedanken lesen!“ sagte Vanessa laut. Max schaute erschrocken und drehte sich zu Vanessa. „Was hast du gesagt?“ „Nix, nix. Ich hab nur mit mir selbst gesprochen!“ antwortete Vanessa ganz schnell.

„Ja, Max hatte Recht. Du bist ein schlaues kleines Mädchen“ hörte sie das Würli sagen. Sie drehte sich wieder um und lächelte. „Weiß der Max das du das kannst?“ „Klar weiß er das. Aber er merkt nicht, wenn ich mit anderen Gedanken tausche!“ Würli wusste, das er das sagen konnte, den Vanessa würde vergessen was er ihr sagte. Denn: Er hatte herausgefunden, das er wirklich viele interessante Dinge konnte. Sein Opa wäre sehr erstaunt gewesen über seinen Enkel, was der so alles konnte. Sprechen, schauen, Gedanken lesen, nur über seinen Willen Bücher blättern, sich von einem Ort zum anderen bewegen.

Und er konnte „Vergessen“ machen. Das war gut und hilfreich für ihn und es schützte ihn vor so mancher Gefahr. Wie er das alles machen konnte, hatte er nicht raus finden können. Er wusste nur, das er es kann. Aber das war ja auch egal.

„Max, darf ich das Würli mal in die Hand nehmen!“ fragte Vanessa. „Klar darfst du, aber sei ganz vorsichtig ok?“ Vanessas zierliche kleine Hand nahm das Würli vorsichtig hoch und nahm es mit auf den Teppich. Sie legte sich dort auf den Bauch und beobachtete das Würli, das sich irgendwie zu recken und strecken schien. Sie wollte von Würli einiges wissen,aber das Würli sagte ihr nur: „Ich schau heute Abend bei dir vorbei wenn Schlafenszeit ist, dann können wir eine Weile mit einander reden. Jetzt ist nicht gut, wir wollen doch nicht das Max merkt, wie wir mit einander tuscheln, oder?“ „Nein, nein. Der Max ist ein ganz netter. Den will ich sicher nicht ärgern!“ antwortete Vanessa und begnügte sich mit dem Zuschauen, wie sich das Würli fort bewegte. Schneller als ihr lieb war, ging die Zeit Rum. Als es Zeit war zu gehen, brachte sie den Wurm zurück in seine Behausung und hatte schon längst wieder vergessen, was sie mit Würli gesprochen hatte.

„Tschüss Max!“ rief sie beim Hinausgehen, „und wenn du noch mal so einen Wurm findest, dann bekomme ich den ja?“ „Klar!“ rief Max zurück und dachte im Stillen, so einen gibt es nur einmal! Als Vanessa schon im Bett lag, und fast eingeschlafen war, da sah sie das Würli auf ihrer Bettdecke zusammengerollt liegen. Nur das Köpfchen war ein klein wenig angehoben. „Würmli!“ hätte Vanessa fast geschrien. „Würli bitteschön. Ich heiße Würli nicht Würmli!“ lachte das Würli. „Würli!“ sagte Vanessa, fast schon im Schlaf versunken.

„Du hast ein schönes Zimmer, mit dem Hochbett und all den schönen Spielsachen. Und einen schönen Spiegel hast du auch!“ flüsterte das Würli „Ja, hat alles meine Mama und der Papa für mich gemacht!“ „Du hast einen lieben Papa und eine liebe Mama?“ fragte das Würli lächelnd, das längst wusste, das diese Eltern liebevoll zu ihrem Kind waren. „Jaaaa, ganz lieb!“ Vanessa gähnte und zog das ja ganz lang dabei. „Du bist aber ganz schön müde!“ lachte das Würli wieder. „Soll ich dir ein Lied zum Einschlafen singen?“ fragte ich sie. „Oh ja, bitte. Das ist bestimmt schön!“ gähnte Vanessa. Also begann das Würli zu singen. Würlis Kinderlied

Bin das Würli zart und klein, möcht ein Menschenkindlein sein.

Doch ich bin ein kleiner bunter Wurm

entstanden in eines Kopfes Sturm

Drum bin ich nun das Würli, ein kleiner Wurm

trotze Regen, Wind und Sturm

Bin ein schlauer kleiner Wicht

doch die Erwachsenen wissen nichts

Egal wohin ich geh, tut auch mancher Abschied weh

bin ja in deiner Gedankenwelt in der es mir so gut gefällt

Deine Fantasie ist stark und weich

und dadurch die Welt dein ganzes Reich

Ich bin das Würli stark und trotzdem zart

bin irgendwie groß und auch klein

mache die ganze Welt mir fein

Haben so viele Dinge schon entdeckt

und deine Neugierde ist geweckt

Die Phantasie trug mich in die Welt

und diese Welt mir gut gefällt.

Kinderwelten hier und da, und so klar

Kinder Denken ist so wunderbar

Augenlider werden schwer und gehen zu

angenehme Träume und nun kommt zur Ruh

Ich bin das Würli , dein kleiner Freund

passe auf dich auf in deinem Lebenslauf

Schlafe gut mein Menschenkind

und ich husche leise fort geschwind,

Und das Würli sang immer leiser

Ich bin das Würli ein kleiner bunter Wurm,

trotze Regen, Wind und Sturm.

Die letzten Worte hörte Vanessa nicht mehr. Sie schlief tief und fest. Niemand sah, wie sich das Würli einfach in Luft auflöste und einfach in Max Aquarium wieder auftauchte. Am Morgen, als ihr Vati sie weckte, erzählte sie ihm, das sie einen wunderschönen Traum gehabt hätte und es wohl daran liegen müsste, das sie das Würli bei Max solange betrachtet hatte.