Dies und das. Mal schaun von was


Der Kochtopf

 (Ein Märchenfür Erwachsene)

Es war einmal ein Dampfkochtopf. Neu und schön war er anzusehen. Doch schnell war das Neue an diesem Topf verschwunden. Täglich wurde er aus dem Schrank genommen und mit den verschiedensten Zutaten gefüllt und benutzt. Der Dampfkochtopf lies sich dies gerne gefallen, denn schließlich war er dazu gebaut worden, Speisen in sich aufzunehmen und sie zu bereiten zur Freude der Menschen. Eines Tages füllte der Mensch den Topf über die Maßen. "Herrje, was passiert denn nun mit mir?", dachte der Topf. Als er jedoch sah, wie viele Menschen an jenem Tag hungrig waren und ständig in ihn hineinsahen, konnte und wollte er nicht protestieren. Er mühte sich, nicht überzukochen. Es gelang ihm sehr gut, und die Speise wurde hervorragend.

Alle bewunderten den tollen Dampfkochtopf, der soviel Platz für soviel Speise hatte. Der Topf war stolz auf sich und murrte beim nächsten "etwas mehr" gefüllt sein, kein bisschen. "Das schaff ich doch mit links!", dachte er jedes Mal, wenn er zuviel gefüllt wurde. Doch er achtete nicht darauf, dass man ihn immer ein wenig mehr füllte, und noch ein klein wenig und noch ein klein wenig mehr. Er bemerkte vor lauter Stolz nicht, dass man ihn für einen Zweck benutzte, zu dem er nicht gebaut worden war.

Eines Tages kochte der Topf über und es blubberte laut und die Speise rann an dem Topfrand über. Es war nicht schön anzusehen, wie die Masse an dem vormals schönen Dekor klebte. Die Hitze brannte die Essensreste in das Dekor und man gab es schnell auf, den Topf vernünftig zu reinigen. Der Topf hörte die Worte: "Wozu denn auch. Er tut seine Arbeit, und mehr braucht es nicht." Der Topf fand diese Worte gar nicht schön, fand sich aber damit ab, dass er nun mal ein Dampfkochtopf war und nur zu diesem einen Zweck dienen musste. Das er kein Dampfkochtopf mehr war, wurde ihm nicht klar. Der Deckel wurde schon lange nicht mehr genutzt. 

Immer weniger achtete man darauf, was man in dem Topf kochte. Speisen, die nichts in ihm zu suchen hatten, wurden nun mit ihm hergerichtet. Speisen, die überkochten, anbackten und seinem Aussehen immer mehr schadeten und seine Beschichtung zerstörten. Es bereitete ihm Schmerzen, wenn man so mit ihm kochte. Oft wünschte er sich, dass man ihn doch einfach in Ruhe ließe. Doch wenn wieder einmal eine große Menge an Speisen hergerichtet werden musste, kam er zum Einsatz.

Dann war er wieder einmal Stolz auf seine Leistung, das erinnerte ihn oft an seine schöneren Tage und ließ ihn vergessen, welchen Schmerz und welcher Traurigkeit er in den letzten Monaten ausgesetzt war. Stolz kochte er dann vor sich her. Dann kam der entscheidende Tag. Wieder hatte man ihn überfüllt. Er kochte vor sich her, als es plötzlich zu zischen und zu brodeln begann. Die Speise rann an den Rändern des Topfes hinab und die Hitze brannte sich tief ins Dekor. Und auch in der Innenbeschichtung brannte sich das Essen ein.

Wütend stieß man den Dampfkochtopf von der Herdplatte und schmiss ihn in die Spüle, säuberte ihn nur notdürftig und stellte ihn zu den anderen alten Töpfen, die nicht mehr benutzt wurden. Traurig stand er nun unter seinen Artgenossen und weinte darum, dass man ihn nicht mehr brauchte. Doch bald gewöhnte er sich daran, nutzlos in diesem Schrank zu stehen und genoss seine wohlverdiente Ruhe. Trotzdem schlich sich oft eine Traurigkeit ein, die mit seinen schöneren Tagen zusammenhing.

Doch eines Tages öffnete sich die Schranktüre, in der sich der Topf befand, und eine unbekannte, aber sanfte Hand griff nach ihm. "Was für ein schöner Topf muss das mal gewesen sein?", hörte er eine fremde Stimme sagen. Ganz komisch wurde dem Topf da zumute. "Mal sehen was wir da noch retten können!", sagte die Stimme liebevoll und stellte den Topf vorsichtig in die Spüle, die zuvor mit warmen Wasser gefüllt worden war. Mit vorsichtigen Bewegungen und einem sanften Reinigungsmitteln säuberten die fremden Hände, den Topf von seinen starken Verunreinigungen und Krusten. Fast im alten Glanz, ein paar Kratzer hier und dort waren ihm geblieben, stand er dann später wieder auf dem Herd. Nie wieder wurde er fortan überfüllt, mit Liebe behandelt und stets gründlich gereinigt. Und wenn er nicht verrostet ist, so tut er auch heute seine Dienste noch. Drum merke dir, lass dich niemals überfüllen, es wird dich nur zum Überkochen bringen.