Dies und das. Mal schaun von was

Das geheimnisvolle Päckchen

Es klingelte an der Türe. Sabine stand auf und ging an die Türe. Der Postbote überreichte ihr ein mittelgroßes Paket. Sie lächelte. Sie wußte dieses Paket hatte eine besondere Aufgabe. Eine ganz besondere Aufgabe...

Sie nahm es und trug es in ihr Wohnzimmer. Wissend lächelte sie. "Von wem is` es denn?" murmelte Peter, ihr Mann. Er saß auf der Couch und sah eine Fußballübertragung im ZDF, wie so oft in letzter Zeit.

"Ich weiß nicht! Es steht nur mein Name darauf. Kein Absender" antwortete sie.

Ohne den Blick zu wenden fragte er:" Was is` denn drin?" Sie zerschnitt die Schnur und packte es aus. Sorgfältig faltete sie das Packpapier zusammen und legte es in eine Schublade. Sie war ordentlich, wie immer. Dann kramte sie den Inhalt hervor und legte alles auf den Tisch. Eine Schachtel Pralinen, eine Konzertkarte, eine Eintrittskarte für die Oper "Carmen", eine Dose Kekse, diverse Gutscheine für Sonnenbäder und ähnliches und schließlich ein Buch. Sie las laut den Titel laut vor: "Der heilsame Ehekrach!" und mußte laut lachen.

"Wer schickt dir denn so`n Blödsinn? Und du weißt bestimmt nicht, wer das Paket geschickt hat?" fragte er nun doch leicht mißtrauisch geworden. Ein lautes "Tor! Tor!" -Geschrei lenkte ihn ab, und er vergaß das Paket wieder.

Sie leerte das Füllmaterial in den Kücheneimer, nahm einen Notizzettel, beschriftete ihn und klebte ihn an das Paket. Anschließend legte sie das Paket gut sichtbar auf den Wohnzimmerschrank. Mit einem Seitenblick beobachtete sie ihren Mann. Als sie bemerkte, daß er nach ihr schaute, steckte sie schnell einen weißen Briefumschlag in ihre Hosentasche. Er sah es,  sein Blick verriet aufkeimendes Unbehagen und gesteigertes Mißtrauen.

Sie setzte sich neben ihn, öffnete die Pralinen und hielt ihm die Schachtel entgegen. "Nein Danke!" zischte er unfreundlich. Sie zuckte die Schultern und nahm sich das Buch zur Hand. An den darauf folgenden Tagen fand er abends Notizzettel seiner Frau vor: "Bin zu Freunden, warte nicht auf mich." Bin in die Oper, warte nicht auf mich!" "Bin zum Konzert" "Bin zum Tanzen" "Bin auf der Sonnenbank"

"Warum tut sie das? Sie war doch früher nicht so!" hämmerte es in seinem Kopf. Fragen über Fragen, die ihn in starke Unruhe versetzten, aber auch die Wut in ihm weckte. Sein Mißtrauen wuchs von Tag zu Tag. Jedesmal, wenn er eine Nachricht in den Händen hielt, schaute er wie hypnotisiert das Paket auf dem Schrank an. Es schien ihn auszulachen. Er nahm das Buch zur Hand und maulte: "Heilsamer Ehekrach! Pah, soll`se haben!"

Doch kam seine Frau des abends nach Hause, so schwieg er. Er beobachtete sie nun ständig. Sie sah, dass ihn etwas bedrückte, sprach ihn aber nicht darauf an. Eines Abends klebte eine weitere Nachricht an der Kühlschranktüre: "Warte nicht auf mich! Komme erst in vier Tagen nach Hause!" Keine weitere Erklärungen.

Das konnte er nicht fassen. Wütend riß er den Zettel ab und zerknüllte ihn. Wieder starrte er das Paket an. Diesmal holte er es wutentbrannt runter. "Ich komm schon dahinter. Du verfluchtes Ding bist schuld. Irgendwas ist faul!" redete er mit dem Paket. Ein Zettel flog ihm ins Gesicht, als er das Paket in die Ecke schmeißen wollte. " Was haben wir denn hier!" siegessicher flüsterte er mit sich selbst. Plötzlich flatterte ein Zettel vor seiner Nase. Der Notizzettel seiner Frau hatte sich vom Paket gelöst.

Verwundert erkannte er die Handschrift seiner Frau. Mit zusammengezogenen Augenbrauen las er: "Sieh in das Paket! Dann kommst du der Wahrheit näher!" Etwas verunsichert, er fühlte sich irgendwie ertappt, öffnete er das Paket. Dort fand er einen weißen Briefumschlag. Auch hier erkannte er die großen Buchstaben. Es war der Brief der so schnell in ihrer Tasche verschwunden war. Zu seinem Erstaunen laß er: "Für meinen Mann, der wohl endlich wach wird!" Mit zittrigen Fingern öffnete er nun den Umschlag. "Lieber Peter! Nachdem du endlich Interesse zeigst, an mir und dem was ich gerade mache, dachte ich mir, es wäre schön wenn wir ein gemeinsames Wochenende in UNSEREM Hotel verbringen würden. Ich hoffe das deine Neugierde stärker ist als dein Dickschädel und du dieses Paket öffnest.

Leider ist dies deine letzte Chance. Solltest du nämlich an diesem Wochenende nicht hier erscheinen, sehe ich mich gezwungen andere Schritte in unserer Beziehung zu gehen. Noch in Liebe Deine Sabine!" Tränen standen in seinen Augen, als er zuende gelesen hatte. Plötzlich wußte er, wie sich nur Vollidioten benehmen können. So schnell ihn seine Füße trugen rannte er durch die Wohnung, raffte zusammen was er brauchte. Als er schon in der Haustüre stand machte er Halt und überlegte nur kurz.

Dann rannte er, packte sich das Paket, Packpapier und Schnüre und warf es auf den Rücksitz seines VW. Am Supermarkt hielt er an, kaufte Pralinen in Mengen, verpackte es, verschnürte es und hielt am nächsten Postamt an. Er sandte das Paket an seine Frau. Ohne Absender. Zwei Stunden später stand er vor dem Hotel, indem er und seine Frau 14 Tage Hochzeitsnächte erlebt hatte. Sabine hatte schon auf ihn gewartet und flog ihm um den Hals: "Solche Pakete sollte man doch hin und wieder mal bekommen! Oder was meinst du?" schluchzte sie in sein Ohr. Er umarmte sie, sagte nichts und lächelte wissend.