Dies und das. Mal schaun von was

Auf nach Paris!

Karin wollte schon immer mal nach Paris. Doch irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen. Vor allem Knut, ihr jetziger Mann. Erst war es das Geld das fehlte. Dann waren es die Kinder die kamen, dann fand sie es albern, einem Mädchentraum nachzutrauern. Sie dachte nicht mehr an Paris.

Zum 14 Hochzeitstag überraschte Knut sie mit einem selbst gefertigten Gutschein. "Am 17.06.1982 fahren wir und die Kinder zum Pariser Eifelturm. Inklusive zwei Übernachtungen in einer Pension" Lächelnd sah sie Knut an. Mit seinen 45 Jahren sah er unverschämt jung aus. Er hatte kein Gramm Fett zu viel an seinem Körper und war immer für Späße zu haben.

"Na, was ist denn, kein bisschen Freude in deinen himmelblauen Augen? Das hatte ich mir aber anders vorgestellt." Er sah sie grinsend an. Er sah eine 42 jährige, etwas pummelig gewordene Frau mit braunen und jetzt feucht schimmernden Augen. "Na klar freu ich mich. Dass du da noch dran gedacht hast!" antworte sie. "Aber die Kinder...?!"

Fragend schaute sie auf ihre drei Spatzen die wie die Hühner auf der Stange saßen, allerdings auf der Couch. Carlo 9 Jahre, Jonas knapp 6 und das Nesthäckchen Linda mit knapp 3 Jahren. "Die kommen mit, ich weiß doch, dass du unsere Kinder nicht alleine lassen würdest. Naja, und bei unserem Familienkreis, gibt’s wohl auch kaum jemand der sich gleich drei aufhalsen würde!" lachte Knut.

"Die Stadt der Liebe können wir auch mit den Kindern genießen. Schau sie dir an, Kinder der Liebe! Kinder unserer Liebe!" Nach diesen Worten klatschte er in die Hände und rief:" Hopp, hopp. In zwei Tagen geht’s los. Habt ihr nichts zu packen?" Wie der Wirbelwind huschten die Kinder davon. Zwei Tage später saßen sie in ihrem Opel Kombi und trällerten während der Fahrt Richtung Freiburg Lieder.

"Wann sind wir denn da?"

"Wie lange dauert es denn noch?"

"Ich muss mal Pippi!"

"Ich hab Durst!"

"Ich hab Hunger!"

Kaum hatte das eine Kind den Mund zu gemacht, schon plapperte das Nächste. Knut konnte kaum seinen Ärger unterdrücken. "Wenn wir über die Grenze sind, schauen wir mal, wo wir lecker essen gehen, und nun aber Klappe halten. Wir haben vor einer viertel Stunde gehalten und jeder war auf der Toilette. Also reißt euch doch mal zusammen.“ Linda war friedlich in ihrem Kindersitz eingeschlafen. Endlich an der Grenze angekommen, zahlte Knut unter Fluchen die Mautgebühren. "Man die werden auch jedes Jahr gieriger!" schnauzte er auf der Autobahn.

Die Kinder waren inzwischen ruhig und dösten so vor sich hin. "Schatz, wie weit ist es denn noch?" wagte sich Karin zu fragen. "Man, fängst du jetzt auch schon an?" faucht Knut zurück. Stumm und mit Tränen in den Augen sah sie zum Fenster hinaus. "Ach Liebling, so war das doch nicht gemeint. Ich weiß, der Kraftfahrer kommt in mir wieder durch. Fahren, fahren, fahren. Möchtest du eine Pause machen?" bei diesen Worten streichelte er ihr über den linken Arm.

"Knut, es ist schon kurz vor 1 Uhr. Die Kinder werden bald Hunger haben und werden nörgeln. Lass uns bei der nächsten Abfahrt runterfahren und ein Restaurant suchen!" antwortete sie mit einem sorgenvollen Blick nach den Kindern. Als hätte sie einen schlafenden Hund geweckt, begannen die Kinder zu nörgeln. "Ist ja gut, ich fahr die Nächste ab!" lachte Knut und fuhr nach Metz hinein. "Sind wir schon da?" "Boh, guck mal die Autos!" "Guck mal, wie die Polizisten hier ausschauen!" "Mensch Mama, der hinter uns, fährt uns gleich in die Kiste!" rief entsetzt Carlo aus. Der Hintermann fuhr gefährlich nahe auf. "Mann oh, hier sieht man ja keine deutschen Autonummern mehr!"

"Nee, wir sind ja auch in Fronkreisch, du Blödmann!" Ein klatschendes Geräusch, weinendes Kind! "Ruhe da hinten! Ich muss mich konzentrieren. Das Autofahren in Frankreich ist nicht so ganz einfach. Die Stadt schien überfüllt zu sein. Kaum eine Parklücke zu finden. Karin sah jemanden aus einer Parklücke fahren und ihr blieb der Mund offen stehen. "Sag mal, hast du das gesehen gerade. Knut der hat hinten und vorne einfach angetitscht und fährt weg!" Entsetzt sah sie dem Fahrer hinterher.

Knut fackelte nicht lange und nahm die Parklücke in Angriff. Er stieß niemanden an, aber zur Vorsicht ließ er den Gang und die Handbremse raus. „Das ist mancher Orts in Frankreich so üblich. Was meinst du, warum ich dir sagte, ich lass dich hier nicht fahren!" grinste Knut seine Frau an. "Warte mal ab, wenn wir an dem Arte de Triumphe fahren müssen!" Sie stiegen aus und suchten nach einem Restaurant.

"Gibt’s hier denn auch richtige Pommes? So richtig echte französische Pommesfrites?" fragte Jonas mit seinem Engelsgesicht ganz ernsthaft. "Oh man bist du plöd man. Wo kommen denn die Pommes her du kleiner Scheißer!" zog Carlo seinen Bruder auf. Dieser boxte ihn in den Magenbereich uns sofort war die schönste Keilerei im Gange.

"Ich habs satt! Könnt ihr euch nicht einmal benehmen! Macht der Mama den Tag doch nicht kaputt!" schimpfte Knut. Karin lächelte und verzog das Gesicht. Im Moment war ihr alles egal, Hauptsache sie würden endlich ein Lokal finden. Der Magen hing ihr bis in die Kniekehlen, wie man so schön sagt. Es schien hoffnungslos. In welche Ecke von Frankreich hatte er sie bloß hingebracht.

"Mama, Mama! Da ist eine Pommesbude, schau doch!" rief Jonas begeistert, der ein Stück vorgelaufen war. Karin und Knut sahen sich das Fenster an. Leider konnten beide kein Französisch und konnten kaum was mit dem Geschriebenen anfangen. Es war schäbig und die Fenster schienen schon seit Monaten nicht mehr geputzt worden zu sein. In das Innere des Lokals konnte man nicht schauen, da schwere Vorhänge die Sicht versperrten.

"Egal, ich hab Hunger wie ein Bär, lass uns reingehen!" kurz entschlossen hatte Karin die Türklinke gefasst und öffnete sie. So schnell wie sie empfangen wurden, konnten sie nicht denken. Ein Kellner, edel gekleidet nahm ihr schon an der Türe ihre Jacke ab, ein Zweiter leitete den Ehemann zu einem Tisch und drei weitere Kellner kümmerten sich herzlich um die Kinder.

Als sie alle um den Tisch herumstanden, schob ein jeder Kellner den Stuhl nach hinten und jeder nahm die Bestellung des Einzelnen entgegen. Als sie sich entfernten, saßen sie zu fünft am Tisch und keiner konnte was sagen, so verdattert schauten sie sich die Räumlichkeiten an. "Du Schatz? Ich glaub wir trinken nur schnell etwas und gehen dann wieder. Ich glaub wir sind hier in eine Gesellschaft hineingeraten!" flüsterte Karin ihrem Mann zu. Eine kleine Hochzeitsgesellschaft hatte hinter ihnen eine Tafel. Nebenan saß ein älterer Herr mit einem jungen Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt. Eine Gruppe von vier jungen Leuten saßen ihnen gegenüber. Während sie auf ihre Speisen warteten, schauten sie den anderen zu. Es wurde ein Gang nach dem anderen serviert. Käseplatten, Wurstplatten undefinierbare Speisen, die sie nicht kannten, folgten. Der Höhepunkt fand wohl am Nebentisch gerade statt.

Ein Kellner servierte einen Teller, natürlich mit Silberhaube über der Speise. Langsam hob er den Deckel und Karins Söhne schrien nur laut:" Igiit, igitt! Wie kann man nur Schildkröten fressen!" "Pschhhhht! Ruhe ihr beiden!" zischte der Vater die Kinder an. Bald darauf servierte man ihnen ebenfalls auf diese Art. Die Kellner schienen sich über diese Familie zu wundern und ihre Gesichter sprachen nicht von Begeisterung, als sie der Familie Wienerschnitzel, mal mit Pilzen, mal mit Paprika garniert, auf den Tisch stellte. Man hatte sie halt dafür entschieden, man konnte mit dem französisch geschriebenen Nichts anfangen können.

Das Essen war vorzüglich, und alle hatten volle Bäuche. Die Rechnung kam, auch auf einem kleinen silbernen Tablett mit einem Häubchen drauf. Knut zahlte und seine Gesichtszüge sahen sehr verkniffen aus, als er dem Kellner auch noch ein Trinkgeld gab. Linda war die ganze Zeit still gewesen und knabberte an ihrem Brötchen und wollte dort und hier mal einen Pommes haben.

Komischerweise wurden die Burschen beim Anblick ihres Vaters ganz, ganz still und wagten bis sie im Wagen saßen keinen Ton mehr. Knut saß vor dem Lenkrad und hatte einen Taschenrechner aus dem Handschuhfach gezogen. Er wurde purpurrot, schaute seine Frau an und wusste nicht, was er sagen sollte.

"Schatz? Reicht es denn noch bis zurück nach Hause oder müssen wir uns jetzt in dieser Gott verdammten Gegend auch noch ne Bank suchen!" lachte Karin. Fassungslos starrte Knut seine Frau an. "Wie teuer war denn unser First Class Essen?" Karins grinsen wurde immer breiter. Zähneknirschend tuschelte er eine Summe in die Luft, die keiner Verstand. "Wenn ich richtig gerechnet habe, waren es knapp 800 Mark!" immer noch entsetzt über diese Summe ließ er den Kopf hängen.

"Auf in das Paris meiner Träume. Zuhause wartet ein schöner heißer Kaffee Ohl'e auf uns. Naja und ich hab da aus der Videothek noch einen Film, der in Paris spielt!“ lächelte Karin. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Lass uns heimfahren!"