Dies und das. Mal schaun von was

Die letzten Stunden und Ankunft zuhause

Schon um fünf Uhr in der Frühe war ich wach. Ich hatte sehr gut geschlafen. Ein letztes Mal würde ich mich nun auf den Balkon schleichen, um zu rauchen. Mike ließ nicht lange auf sich warten. “Hey, wovon hast du denn gerade geträumt?“ sprach er mich an. Ich erklärte ihm, wie sehr ich die Zeit mit ihm genossen habe und dass ich darüber ständig nachdenken müsse. Ich war ihm sehr dankbar. Mike zeigte unbändige Freude auf das Wiedersehen mit seiner Familie. Ich gönnte es ihm. Vor ein paar Wochen hätte ich es wohl nicht getan. Schade, daß ich seine Frau nie kennenlernen würde.

Am Mittagstisch liefen dann doch wieder Tränen. Ich bekam Abschiedsgeschenke, die mich sehr rührten. Ich griff in meine Hosentasche und fühlte die kleinen Glückssteine, die Mike mir zum Abschied geschenkt hatte. Sie beruhigten mich. Dann sollte ich ein letztes Mal die Sensitivtherapie besuchen. Ich lag bereits auf meiner Decke, als Mike hereinkam. Er sah mich an. Ich konnte seinen Blick nicht ertragen. Ruckartig erhob ich mich und rannte zur Türe heraus, bevor der Therapeut erschien.

Im Hof begegneten mir die Bekannten von Mike, die bereits auf ihn warteten. Ich unterhielt mich mit ihnen. Bald darauf erschien er selbst. Er nahm mich in die Arme, nachdem er alle Koffer im Auto verstaut hatte, gab mir einen Kuß auf die Stirn und sagte: „Hiermit verabschiede ich mich von einem kleinen Jungen, der zur Frau geworden ist!“ Ich musste lachen. Irritiert schaute er mich an. So erzählte ich ihm von meinem ersten Traum, in dem ich diese Szene vor mir gesehen hatte.

Er machte uns den Abschied leicht.Ich konnte meine Tränen beherrschen. Welch ein Erfolg. Doch ich hatte keine Zeit, lange darüber nachzudenken, denn Gerd erschien mit den Kindern, um mich abzuholen. Er hatte darauf bestanden, mich abzuholen. Die Kinder wollten vor der Rückfahrt unbedingt noch ein Eis essen, und so gingen wir in eine Eisdiele. Dort saßen auch Mike und seine Freunde. Als er mich erblickte, winkte er uns zu sich. Und es geschah etwas völlig unerwartetes:

Mike und Gerd unterhielten sich angeregt. Ich saß fassungslos daneben. Die beiden lachten sogar miteinander. Dann verabschiedeten wir uns noch einmal. Diesmal drehte ich mich nicht mehr nach Mike um. Auf der Autobahn verspürte ich plötzlich den dringenden Wunsch, selbst zu fahren. Wirkte mein neues Selbstvertrauen schon? Früher hätte mich niemand dazu bekommen, freiwillig auf der Autobahn zu fahren. Wir wechselten die Plätze. Ich war ganz stolz auf mich. Müde, aber zufrieden kam ich zu Hause an.

Meine Befürchtung, daß Gerd so tun würde als ob nichts gewesen wäre, als ob ich ihm nie gesagt hätte, daß ich mich von ihm hatte trennen wollte, bestätigte sich sehr schnell. Als ich ins Wohnzimmer trat, fand ich einen Blumenstrauß, eine Flasche Parfüm und eine Karte mit den Worten »Herzich willkommen« vor. Ich war wütend und fühlte mich nicht ernst genommen. Gott sei Dank ließ ich aber meine Wut nicht wieder an den Blumen aus, wie ich es früher stets getan hatte. Ich erledigte in Ruhe alles, was ich zu tun hatte, und ignorierte die Geschenke und den Willkommensgruß völlig. Insgeheim gab ich Gerd eine Schonfrist bis nach dem Nachmittagskaffee.

Aber er sprach mit keinem Wort unsere Situation an, sondern ging gleich danach mit unserem Sohn zum Fußballplatz. So fand er erst am Abend eine Nachricht von mir. Ich bat ihn darin, die Kinder soweit wie möglich aus unserem Streit herauszuhalten, und teilte ihm mit, daß ich es für sinnvoll hielt, zunächst nicht zu Hause zu schlafen. Geschockt akzeptierte er vorläufig meinen Entschluß und sagte den Kinder nur, dass ich bei einer Nachbarin schlafen würde.