Dies und das. Mal schaun von was

Eine Entscheidung  

Mit Herzrasen stand ich an jemem Morgen auf. Heute sollten Gerd und die Kinder wieder zu Besuch kommen. Mike beruhigte mich nur kurz und ging mir dann aus dem Weg, um nicht in eine unangenehme Situation zu geraten. Ich hatte ihm am Abend zuvor vorgeschlagen, dass ich die beiden miteinander bekannt machen würde. Doch Mike war davon ganz und gar nicht angetan. Er meinte, dass es in dem Stadium meiner Ehe wohl das Verkehrteste überhaupt sein könnte. Wie recht er damit haben sollte, konnte ich bald feststellen. Mike hoffte allerdings dass Gerd sich auch wieder beruhigen würde, und wenn dem so sei, hätte es vielleicht schon seinen Nutzen ihn kennen zu lernen. Ganz gewiss hatten sie auch etwas gemeinsames. Mike war ein Fußballfan so wie Gerd. Beide Söhne spielten Fußball, immer ein Thema an das man anknüpfen konnte. Doch für den Moment nutzen mir all die schönen Aussichten nichts.

Meine Nervösität war schier unerträglich, die Angst davor, dass es wieder schief laufen könnte, schnürte mir die Kehle zu. Denn es war ja erst sein zweiter Besuch insgesamt. Das erste Mal war ja schon gründlich daneben gewesen. Ich machte meine Entscheidung für die Zukunkt davon abhängig, wie er heute reagieren würde. Keine gute Vorraussetzung für ihn, der er ja nicht wusste was für ihn auf dem Spiel stand. Ich versuchte mich an die Ratschläge von Mike zu halten und wollte ruhig bleiben. Das fiel mir verdammt schwer. Ich hatte große Angst es nicht zu schaffen.

Als er dann endlich kam, unterhielten wir uns über allgemeine Dinge. Irgendwann landeten wir auch wieder bei uns. Manchmal wusste ich nicht soll ich überhaupt antworten? Wie soll ich antworten? Das Gespräch nahm einen von mir nicht gewollten Verlauf. Wieder verlangte er von mir ein absolute Entscheidung. Er unterstellte mir Fremdgehen und erotische Wünsche. Ich war mal wieder wie vor den Kopf geschlagen und langsam ödete mich das alles nur noch an. Ich sah ihm in die Augen und ich spürte, ich bin innerlich tot, was ihn betraf.

Was dann geschah war schrecklich. Schlimmer als alles andere was wir bisher durchlebt hatten. Wir beleidigten uns gegenseitig, hatten die Kinder vergessen. Es war eine Katastropfe. Nichts blieb unausgesprochen, alles negative kam zum Vorschein. Ich wollte der Situation entfliehen und rannte zurück Richtung Klinik. Plötzlich schrie mein Sohn hinter seinem Papa her. Scheinbar hatte Gerd ihm irgendwas gesagt, das ihm Angst machte. Ich wusste mir nicht mehr anderes zu helfen und ließ mich auf die Knie fallen und schrie. Da drehte er sich um und kam zu mir. Mir tat mein Sohn so furchtbar leid, aber anders hätte ich meinen Mann nicht dazu bekommen sich wieder umzudrehen. Ich hegte die Vermutung das er seinem Sohn erzählt hatte, er würde in den Teich gehen. Mein Mann kann nicht schwimmen....

Gott sei Dank hatte Steffi von all dem nichts mit bekommen, sie war bei einer Schwester geblieben und spielte Tischtennis. Gestützt von meinem Mann und meinem Sohn gingen wir zurück in die Klinik. Am Tor riß ich mich zusammen und schüttelte beide ab. Steffi sollte mich so nicht sehen! Die Krankenschwestern und Pfleger wussten sofort das da was nicht stimmte und versuchten meinen Mann zu beruhigen bevor er den langen Heimweg mit den Kindern antreten würde. Er schien sich wieder gefangen zu haben. Ich dachte nur noch daran, dass alles was nun noch kommt sinnlos sein würde. Wozu noch kämpfen?

Alles was ich noch wollte, war eine saubere Trennung und hoffentlich einen freundschaftlichen Umgang mit einander, schon wegen der Kinder. Ich war total am Boden zerstört. Wer war denn nun für dieses Desaster verantwortlich? Er? Ich? Wir beide? Natürlich wir beide. Aber Gerd würde morgen sagen, es tut mir leid, und dann musste ich es annehmen. Ich hasste diese halbherzigen Entschuldigungen, die nur dazu da waren, oberflächlich den Frieden wieder her zu stellen. Doch diesmal würde es nicht so sein, das wusste ich. Ich entschloss mich sobald ich diese Behandlung abgeschlossen habe, die Scheidung einzureichen.

Diese Seelenqualen für alle Beteiligten mussten aufhören. In erster Linie der Kinder wegen. Wir würden uns gegenseitig nur zerstören, und das war kein Leben für kleine Kinder, die diesen Krieg mit erleben mussten. Einen anderen Lösungsweg schien es nicht zu geben. Als ich den Torbogen durchquerte stand Mike vor mir und wollte wissen, was los gewesen sei. Er stellte genau die Frage, die mich mitten ins Herz traf. “Hast du was falsches gesagt?” bohrte er

“Mensch lass mich in Ruhe. Ich kann jetzt nicht reden!” fauchte ich ihn an. Ich wollte nicht reden. Ich musste alleine sein und über meine Zukunft nachdenken, die ich nun ziemlich deutlich vor Augen hatte. Wie sollte ich all die Schwierigkeiten einer Scheidung bewältigen? Wieder übermannte mich die Angst. Als ich damlas zu ihm zog, hatte ich nur ein paar Klamotten und eine Stereoanlage besessen. Uns so wie ich gekommen war, wollte ich auch wieder gehen. Seine Firma hasste ich sowieso, damit hätte ich eh nichts zu tun. Ich wollte auf alles verzichten, ausser auf das Sorgerecht für meine Kinder. Nun musste ich nachdenken, nachdenken und nochmals nachdenken. Bloß jetzt keinen erneuten Fehler machen!