Dies und das. Mal schaun von was


Anmerkung

Ich möchte zu allererst sagen das ich meine Geschwister alle geliebt habe. Zu sehr. Man wollte meine Zuneigung nicht. Lange habe ich darunter gelitten, besonders bei meiner Schwester. Inzischen ist mir klar, jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Seine eigenen GEFÜHLE, die nichts mit dem gemein haben, was ich empfinde. Es geht nicht darum zu sagen: Die hat schuld, der hat Schuld. Es dient lediglich dazu meine Reaktionen auf bestimmte Therapien besser zu verstehen.

Ich gebe niemandem die Schuld an irgendwas. Das Leben ist eben kein Ponyhof und jeder von uns, jeder Mensch, hat seinen eigenen Hintergrund und lässt ihn nach SEINEN Empfindungen handeln. Ich habe Ihnen verziehen, ich habe vor allem mir so manche Reaktion verziehen, aber ich leide nicht mehr daran, das sie nichts mit mir zu tun haben wollen. Ich hab es akzeptiert. Und ich lebe gut damit. Mir fehlt nichts mehr. Liebe kann man eben nicht erzwingen.


Meine Schwester

Sie ist sechs Jahre älter als ich. Sie war lange Zeit meine Verbündete, meine Vertraute mit der ich über alles reden konnte. Ich weiß nicht wann sich das geändert hat. Ich liebte sie heiß und innig, doch sie verletzte mich so oft mit Worten. Ich konnte ihre Aussagen nicht verstehen. Ich begreife es heute noch nicht wirklich. Aber ich habe nach fast 20 Jahren aufgehört zu versuchen einen Zugang zu ihr zu finden. Vielleicht hingen unsere Schwierigkeiten tatsächlich damit zu sammen, weil wir nur „Halbgeschwister“ waren. Dazu mehr in meinem Buch.

Der este Bruch fand statt, als wir sie einmal besuchten. Dort stritten sich auf einmal die Ehemänner darüber, wer mehr Verantwortung im Berufsleben hat als der andere. Ich fand es lächerlich. Es ging darum das der eine viele Menschen unter sich hatte und der andere eben nur wenige. Es ging um Tod und die Verantwortung dafür. Ganz ehrlich, was für einen Unterschied macht es ob man für den Tod eines oder mehrerer Menschen verantwortlich ist? Jeder einzelne ist zuviel!!!

Im Laufe des Abends ließ meine Schwester folgende Urteile über ihre Geschwister ab. Der Älteste hätte ein Recht sich von der Familie abzuwenden, wegen seiner Intelligenz!???

Der zweite müsste erst einmal das Niveau meiner Schwester erreichen ,ehe sie sich mit ihm wieder unterhalten würde!???

Der Kleine ist eh bekoppt und ich habe zu wenig aus meinem Leben gemacht.

Ich konnte es nicht glauben was ich da hörte! Ich war glücklich und hatte genau das was ich wollte. Wieso war ich dann weniger Wert als andere? Welches Niveau meint sie? Der zweitälteste war genau genommen der einzige, der sich wirklich super entwickelt hatte und „was aus sich gemacht hatte“ wie man so schön sagt. Und wenn man davon überzeugt ist, Geld und Prestige sind wichtig im Leben.

Naja, ich verstand es nicht.  Bei irgendeiner Gelegenheit meinte ich sei ich sei zu dumm dafür. Ich war Erwachsen, ich hatte zwei Kinder, einen Mann der stelbständig war. Was wollte sie von mir/uns???

Die Krönung erfolgte am Sterbebett meines Vaters. Sie meinte unvermittelt und ohne Grund zu mir, ich solle ruhig abhauen, sie hätte keine Schwester mehr! Sicherlich gibt es auch hier noch vieles was falsch gelaufen ist, aber als Hintergrundwissen sollte das langen. Was das seelisch mit mir machte, brauch ich wohl kaum zu erwähnen. Ich revangierte mich am Sterbebett meiner Mutter mit genau diesen Worten.

Nach dem Tod meines kleinen Bruders habe ich aufgehört an sie zu denken und wehmütig zu werden.


Mein ältester Bruder

 Laut den Erzählungen in der Familie war er ein Hochbegabter-

Meine Schwester meinte einmal vor Jahren, er hätte das Recht gehabt, sich von seiner Familie los zu sagen! Mir sitzt dieser Satz noch so lebendig im Kopf. Mir ist es unverständlich, wie man zu so einer Aussage kommt.

In erster Linie hatte er immer schon eine große Klappe und machte sich gern zum Clown. Nicht das man über ihn lachte, sondern darüber dass was er sagte und tat. Ansonsten war er für mich ein ganz normaler Bruder der mich manchmal ärgerte. Meiner Meinung nach war er Mutters Liebling. Er konnte machen was er wollte, er hatte Narrenfreiheit. Besonders mit mir spielte er so seine Spielchen.

Erst als Erwachsene kapierte ich, was da eigentlich manchmal verkehrt lief. Irgendwie war es aus meiner heutiger Sicht eine abgeschwächte Form von Sadismus. Warum sonst gibt man einem Kleinkind Essig Essenz zu trinken? Warum gibt man der kleinen Schwester ein mit Senf gefülltes Würstchen? Vielleicht hat er mich auch gehaßt. Soll ja vorkommen das die ersten Kinder sehr eifersüchtig sind auf die Nachkommen. Ich weiß es nicht. Es war für mich lange Zeit normal was in unserer Familie passierte. So ist das halt in Familien mit vielen Kindern. Zugegeben an diese Dinge errinnere ich mich eigentlich nicht, ich kenne es nur aus Erzählungen meiner Mutter.

Aber es gab auch andere Dinge an die ich mich gut erinnern kann. Doch das wäre zu viel es hier alles aufzuzählen. Viel schlimmer waren seine Worte die mir noch heute in den Ohren schwingen. „Dicke, doofe, fette hässliche kleine Kuh!“ Als Kind hab ich einfach gelacht, aber tief in mir drin hat es mich verletzt. Über Jahre glaubte ich das! Ich bin ein Meter sechzig groß und wog als 17 jährige 52 kg. Ich war nicht fett und dumm auch nicht! Trotzdem trug es eine Menge dazu, das mein Selbstwertgefühl gleich Null war.

Das ich ein hübsches Mädchen war, erkannte ich erstmals auf Bildern zu meiner Hochzeit. Aber das auch erst viel Jahre später. Trotz aller Widrigkeiten, ich liebte ihn, er war mein Bruder. Um so schlimmer waren die Worte, die er an meinen Sohn richtete, als wir auf der Beerdigung unserer Mutter waren. „Komm mit, ich rette dich vor deiner bekloppten Mutter!“ Ich konnte nichts sagen, es war schlimm genug für meinen Sohn diese Beerdigung hinter sich zu bringen. Aber ich habe auf dem Heimweg bitterlich geweint.

Und ich glaube, da haben sich meine Gefühle zu ihm verändert. Ich hasse ihn nicht, aber ich liebe ihn auch nicht mehr. Deshalb habe ich ganz Bewusst jedlichen Kontakt abgebrochen. Was soll ich mit einem Menschen, der nichts besseres zu tun hat, als mich ständig nieder zu machen. Ich weiß er hat es all die Jahre auch bei meinen Kindern schlecht über mich geredet. Ich konnte dazu nichts sagen, denn ich war geschieden und meine Kinder wollten beim Papa bleiben. Sie waren schon zu groß um sie zu zwingen mit zu gehen. Aber auch noch jung und beeinflußbar. Deshalb hielt ich viele Jahre meinen Mund. Ich wollte es ihnen nicht noch schwerer machen als es so schon war. Der Verdängungsmechanismus klappte auch nach meiner Reha wieder sehr gut.

Ein Buch: Ab heute kränkt mich niemand mehr von Doris Wolf half mir sehr.

101 Power Strategien um Zurückweisungen und Kritik nicht mehr persönlich zu nehmen. Sehr empfehlenswert


Der zweite Bruder

Er war wie ich ein Sandwichkind. Weniger beachtet.

Meiner Meinung nach war er genauso klug wie der Älteste. Ihm fiel halt nur das Lernen etwas schwerer. Aber es hat sich für ihn gelohnt. Er hatte einen Plan, den er verfolgte. Nach meinen Erinnerungen waren seine Leistungen ab der Lehre immer hervorragend. Seine Lehre machte er in verkürzter Zeit und so andere Dinge auch. Er hat es zu was gebracht und ich gönne ihm seinen beruflichen Erfolg.

Von seinem großen Bruder wurde er als Feigling und Schmarotzer beschimpft, Wie es privat bei ihm aus sieht, darüber habe ich keine Kenntnisse. Ich habe schon viele Jahre vorher den Kontakt zu ihm verloren, nachdem ich nach einer verbalen Attake seiner Frau enttäuscht wieder nach Hause fuhr. Ich wollte ihm seine Nichte zeigen, seine Frau hat es erst mal verhindert.

Naja, man traf sich mal bei Muttern und redete auch miteinander, aber das wars auch schon. Ich erinnere mich daran, das er immer korekt aussehen wollte. Er legte großen Wert auf sein Äußeres. Mein Sohn hat mich oft an ihn erinnert, als er so 15 -16 Jahre alt war. „Mama, seh ich gut aus? Mama, meine Haare sind ok so?“ Ich musste dann immer lächeln.

Auch zum zweiten Bruder  habe ich vor ein paar Jahren den Kontakt bewußt abgebrochen. Ich hatte schlicht auch keine Lust mehr, hinter meinen Geschwistern her zu laufen und um Zuwendung betteln.


Kleiner Bruder

Mein kleiner Bruder war ein Jahr jünger als ich. Man sagt ja immer das Nesthäckchen hat es am leichtesten. So war es bei ihm aber nicht. Er konnte nicht mit den sportlichen Leistungen seiner Brüder mithalten. Hatte auch kein Interesse an Fußball, Handball oder irgendeinem Sport.

Die erste sehr lebhafte Erinnerung an ihn, wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Irgendwas hatte er ausgefessen und unserer Vater wollte mit ihm reden. Aber er schrie um Hilfe und rannte durch die ganze Wohnung. Je mehr er schrie um so wütender wurde mein Vater. „Du Wurm, wenn ich dich erwische!“ rief er dann hinter ihm her. Das machte dem Kleinen, er war ca 6 Jahre alt, noch mehr Angst und um so mehr schrie er. Irgendwann gab es mein Vater auf hinter ihm herzulaufen. Er erwischte ihn nie.

Nein, er hätte ihm nichts getan. Mein Vater war nicht gewalttätig. Er war eigentlich ein guter Vater und sehr aufmerksam. Nur leider nicht bei seinem jüngsten Sohn. Mein kleiner Bruder entwickelte sich sehr schwierig und wurde von den anderen abgelehnt. Heute, nach 30 Jahren weiß ich, das es einen Grund hatte. Mein kleiner Bruder hatte einen Gendefekt das sich Klienfeltchen Syndrom nennt. Hätte ich dies früher gewusst, hätte ich sicherlich bei manchen Situationen anderes reagiert als zu den Zeitpunkten wo ich kaum mit ihm klar kam.

Der älteste überhäufte ihn mit Beschimpfungen und brachte ihn bewußt in Situationen, die er nicht überschauen konnte. Aber jemandem ganz gezielt in eine Falle laufen zu lassen, um zu beweisen das er was getan haben könnte, was man ihm sonst nicht nachweisen konnte, ist schlicht weg gemein. Ich will da nicht näher drauf eingehen, aber wie der Leser merkt, hatte mein älteste Bruder es drauf, die anderen zu schikanieren.

Mit 44 Jahren erlitt mein kleiner Bruder den ersten Schlaganfall von dem er sich erholte. Doch der zweite hätte ihn fast umgebracht. Doch er war ein Kämpfer. Leider kam er aus dem Pflegeheim nicht wieder heraus. Ich wohnte inzwischen in Hessen und konnte mich auch nicht so sehr um ihn kümmern. Ich schickte ihm Päckchen und wenn es möglich war, besuchte ich ihn auch. Alle seine vermeintlichen Freunde hatten sich von ihm abgewandt. Angeblich weil sie gehört hatten er wäre tot.

Es gab drei Menschen, die sich um ihn kümmerten. Meine Freundin Antje aus Hannover, sein Freund Ulrich und ich. Ziemlich einsam ist er dann knapp vor seinem 50 Geburststag gestorben. Meine Geschwister verweigerten mir die Hilfe zur Beerdigung und so musste ich das Ordnungsamt veranlassen ihn unter die Erde zu bringen. Das hat mich sehr wütend gemacht. Mein kleiner Bruder und ich waren die einzigen leiblichen Kinder meines Vaters. Ich hatte nicht die Erwartung das sie um ihren kleinen Bruder trauern. Aber das sie dem leiblichen Sohn ihres Stiefvaters diesen letzten Dienst verweigerten haben hat mich sehr verletzt. Schließlich musste er auf die Liebe seines Vaters verzichten, weil dieser mit den Stiefkindern voll auf zu tun hatte. Das ist letztlich der Grund für meinen bewussten Bruch mit meinen Geschwistern.