Dies und das. Mal schaun von was


Wie ich zu meinem Ehemann kam

Bevor ich ihn kennen lernte, war ich stinksauer auf einen anderen, der unsere Beziehung jeh beendet hatte. Nein, ich habe sie beendet, aber trotzdem war ich sauer! Er meinte eines Tages zu mir: “Wenn du unbedingt willst können wir ja solange zusammen bleiben, bis ich studiere. Aber dann muss ich mich nach was passenderes umsehen!“ Er hatte den Satz kaum beendet, als ich ihm eine Ohrfeige verpasste.

Ich rannte heim zu meinen Eltern und heulte mir die Augen aus. Ich fühlte mich so gedemütigt! Meine Mutter meinte es damals nur gut mit mir und hielt mir eine Zeitung unter die Nase mit der Bemerkung: „ Sieh nur Kindchen, auch andere Mütter haben schöne Söhne. Wein dich aus und denk nicht mehr drüber nach!“ Sie dachte wohl ich hätte Liebeskummer. Sie verstand mich nicht. Nein, es war kein Liebeskummer, ich weinte ihm keine Träne nach. Ich heulte über meine Dummheit. Wütend riss ich ihr die Zeitung aus der Hand. Sie hatte die Kontaktanzeigen aufgeschlagen. In meiner Wut entschloss ich mich, den nächst besten Kerl einfach auszunutzen, so wie es mir geschehen ist.

Blind tippte ich mit dem Zeigefinger auf die Annoncen und öffnete die Augen. „Suche Mädchen zwecks Dauerfreundschaft. Bin gelernter Gärtner, 23 Jahre alt und nur an ernst gemeinte Zuschriften interessiert.“ war die Anzeige darin. So lernte ich meinen ersten Ehemann kennen. Irgend etwas an der Annonce berührte mich, trotz meines Gemütszustandes. Ich beschloss einfach mal anzurufen. So telefonierten wir mit einander und er war mir sympatisch. Meine romantische Seite spielte natürlich verrückt und bescherte mich tolle Bilder von einem Mann, nur auf Grund seiner Stimme.

Ich wollte eigentlich nicht gleich wieder eine neue Beziehung eingehen. Ich war damals gerade 18 Jahre alt und die erste Enttäuschung meines Lebens hinter mir. Trotzdem ließ ich mich auf eine Verabredung ein. Er sah so hilflos aus, mit seinen zwei Blumenstäuschen, als er das erste Mal vorbei kam. Ich konnte doch an einem solchen netten Mann nicht meinen Ärger auslassen! So erklärte ich ihm direkt am Anfang, aus welchen niedrigen Motiven ich auf seine Anonnce geantwortet hatte. Er grinste nur. „Ehrlichkeit ist doch schon mal ein guter Anfang!“ meinte er dann. Er verstand mich, denn auch er hatte vor kurzem eine Beziehung beendet. Welche Lüge er mir damals auf den Tisch legte, erfuhr ich erst Jahre später!

Gerhard, so hieß er, wirkte so reif auf mich und er hatte bereits einen Beruf. Einen eigenen Wagen und sogar eine eigene Wohnung. Ich saß damals noch daheim bei Mama und Papa und steckte noch in einer Ausbildung zur Arzthelferin. Klar imponierte mir das. Wir verabredeten uns danach hin und wieder und wurden Freunde. Er verliebte sich in mich, doch meine Gefühle waren unklar für mich und lehnte ab. Er zog sich zurück. Das wiederrum gefiel mir nicht. Ich vermißte ihn und weinte um eine Freundschaft die keine mehr war. Irgendwann rief ich ihn an und sagte ihm, das ich ihn vermisse. Er warb um mich und siegte. In meinen Elternhaus herrschte Krieg und Frieden. Gerd sah meinen Kummer und bat mich, zu ihm zu ziehen. So hätte ich mehr Ruhe mich auf meine Ausbildung zu konzentrieren.

Dankbar flüchtete ich mich zu ihm. Seine Eltern wohnten in der unteresten Wohnung. Schnell war mir klar, das seine Eltern keine gute Ehe führten. Es eigentlich sogar schlimmer war, als bei meinen Eltern. Aber damals war ich blind für dieses Chaos in dieser Familie. Sein Vater war ein kleiner Diktator, seine Mutter hatte sich ihm bedingungslos untergeordnet und war psychisch vollkommen am Ende. Seine Schwester wurde systematisch ans Haus gefesselt und jeder Freiheit beraubt. Ich hätte damals sofort meine sieben Sachen am besten wieder packen sollen. Hätte versuchen müssen auf eigenen Füßen zu stehen. Doch inzwischen glaubte ich, meinen Freund zu lieben. Und mit dem, den man liebt, mit dem geht man durch dich und dünn! Tapfer nahm ich mir vor, um diese Beziehung zu kämpfen.

Oberflächlich schien Gerd keine enge Bindung zu seinen Eltern zu haben. Er hatte Glück ein männlicher Nachkomme zu sein. Ein Mann hatte etwas zu leisten und für eine Familie zu sorgen. Deshalb durfte er in die Lehre und zum Bund, um dort Strenge und Ordnung kennen zu lernen. Was brauchte ein Mann mehr um eine Familie glücklich zu machen? Er verdiente sein eigenes Geld und war stolz auf sich. Er hatte seine vermeintliche Freiheit. Er litt nie so unter der Bevormundung seines Vaters wie seine Schwester. Ich litt unter dieser diktatorischen Art enorm, doch er nahm es einfach nicht wahr.

Gemäß dem Motto seines Vaters, nur Arbeiten bringt weiter, machte er sich bald daran eine eigene Firma aufzubauen. Es würden harte Zeiten auf uns zukommen. Er würde schwer und lange arbeiten müssen, damit es uns später mal so richtig gut gehen kann. Nach seiner Ansprache sah ich ihn an und antwortete ihm:“ Zusammen schaffen wir das schon. Wir gehen durch dick und dünn. Wir halten immer zusammen.“ Nach drei Monaten verlobten wir uns, nur ein Jahr später heirateten wir und kaum nach der Hochzeit wurde unser Sohn geboren. In jenem Jahr machte er sich nebenberuflich selbständig und arbeitet viel. War kaum zuhause. Ich bewunderte ihn, war aber auch traurig das ich so wenig von ihm hatte.

Nach drei Jahren kam unsere Tochter zur Welt. Dann gab er seine Arbeit auf kümmerte sich um seine Firma. Durch all die finanziell und emotionalen schwierigen Zeiten ging ich mit ihm. Es gab so sehr schwierige Zeiten das ich oft aufgeben wollte. Doch ich schaffte es immer wieder zu ihm zu halten und ihn zu unterstützen. Immerhin etwas mehr als elf Jahre. Bis zu dem Tag an dem mich die Belastungen überforderten und ich zusammen brach. „Hätte ich doch bloß diese verfluchte Zeitung nicht aufgemacht!“ sind meine letzten Gedanken bevor ich in einen unruhigen Schlaf fiel und merkwürdige Träume hatte.