Dies und das. Mal schaun von was


Wiedersehen mit Max und Felix

Ich werde wach und staune nicht schlecht. Am Abend auf einem Erdhügel eingeschlafen und jetzt wach ich auf und bin mitten drin in einem Apfelkorb.

“Hamm, lecker Äpfel.” Das mag ich als Wurm besonders gerne. Obwohl ich mich ja eigentlich nur durch die Erde fresse. Ein Apfel ist für mich wie ein sehr teures Essen im Restaurant. Ich hab keine Ahnung wie ich hier gelandet bin. Es ist laut um mich herum. Viele Menschen laufen umher und es hört sich an wie ein Bienenschwarm. Und dann verstehe ich auch etwas. “Äpfel, leckere Äpfel! Nur 1,50 Euro das Kilo°!” schreit einer. “Bananen, schöne gelbe Bananen- Krumm und gelb wie ihr sie mögt!” schreit ein anderer. “Frischer Aal, geräuchert…..” schreit wieder jemand anderes. Ich weiß sofort, dass ich auf einem Markt gelandet bin. Opa hat mir davon erzählt.

Er sagt, die Menschen müssen sich ihre Nahrung kaufen. Wie unpraktisch, wir fressen uns einfach durch die Erde. Ein riesiger, wunderschöner Apfel ist über mir. Ich koste davon. „Lecker, lecker.“ Schnell hab ich mich in das innere des Apfels gefressen. Da spüre ich, wie dieser Apfel in die Höhe schnellt und dann einfach wieder fallen gelassen wird. Ups. Das hat ganz schön gerumst. Der Apfel fällt in eine Plastiktüte.

„Plastiktüten sind nicht gut!!! Gar nicht gut! Und auch nicht für Würmer wie ich kleines Würli. Aber bisher kam ich ja aus jeder brenzligen Situation wieder heraus. Also mache ich es mir im Apfel gemütlich. Ich komm hier schon wieder raus. So einen schönen Apfel lässt man nicht in der Tüte. Früher oder später würde jemand den Apfel essen wollen, und so komm ich auch aus der Tüte wieder raus. „ESSEN? Apfel ESSEN? Ach herje. Ich will doch nicht im Bauch eines Menschen landen!“ Also arbeitete ich mich weiter durch den Apfel um dann am Stiel wieder heraus zu kommen. Ich schaue vorsichtig heraus. Aber viel kann ich nicht sehen. Die Tüte lässt einen Blick in den blauen Himmel zu, aber mehr auch nicht. Sie schaukelt hin und her. Hin und her.. Fast wird es mir übel. Aber dann knallt die Tüte auf etwas hartem und die riesigen Hände eines Menschen greifen nach den Äpfeln.

Schön ordentlich werden die Äpfel dann in einen Korb gestapelt. Jetzt bin ich ziemlich weit oben und vielleicht könnte man mich sehen, also husche ich schnell in einen unteren Apfel und fresse mich hinein.. So was leckeres, so was köstliches wie Apfel habe ich noch nie gegessen. Ich vergesse alles um mich herum bis plötzlich wieder diese Hände auftauchen. Sie greifen einen Apfel neben mir, er verschwindet in die Höhe um wieder und unsanft in die Schale zu fallen. Eine dunkle, tiefe Stimme, die mir irgendwie bekannt vor kommt, sagt: ” Lisa, sind die Äpfel denn alle faul? Was hast du da nur für Müll gekauft?” “Die waren in Ordnung als ich sie gekauft habe. Ehrlich, es war kein einziges Wurmloch in den Äpfeln,” antwortet eine Frauenstimme. “Dann schau doch selbst! Alles voller Löcher in den Äpfeln.” Die Frau Namens Lisa kommt und schaut sich die Äpfel an. “Komisch, als ich sie kaufte waren die alle in Ordnung!” Sie schaut sich die Äpfel einzeln an und wirft die Hälfte in den Abfalleimer. Ich habe mich gut versteckt und lande nicht im Eimer. Die Frau ruft plötzlich:

“Max! Bring doch bitte mal den Müll nach draußen!” “MAX?!” das habe ich doch schon mal gehört. Das wird doch nicht….Und schon kommt Max um die Ecke geflitzt, schnappt sich die Mülltüte und ist wieder verschwunden. “Max” denke ich sehnsüchtig. Aber er ist schon zu weit weg, als das er meine Gedanken hätte hören können. Max und sein Bruder Felix hatten mich eine Weile in einem Aquarium aufgenommen, aber dann mussten sie vom Bauernhof weg ziehen in dem sie lebten und sie haben mich wieder nach draußen gebracht und in Freiheit gegeben. Ich beschließe einfach zu warten.

Ich warte und warte, aber erst nach vielen Stunden seh ich Max wieder. Und es geht alles so schnell, so das ich nicht mit ihm in Kontakt treten kann. Am nächsten Morgen schnappt er sich den Apfel, an dem ich mich am Stiel versteckt habe und schmeißt mich in eine Tasche. Deckel drüber und dann werd ich durch die Gegend geschüttelt. Max hatte mir erzählt das die Kinder der Menschen in eine Schule gehen mussten und Opa hatte gesagt, Menschenkinder würden da schlau gemacht. So was kannte ich nicht. Und Opa sagte, wenn die Kinder nicht gerne in die Schule gingen, dann würden sie einfach dumm bleiben. Naja, egal. Max hatte mir gesagt das er gerne in die Schule ging, und so vertraue ich auf mein Glück. Als das Geschaukel aufhört, verstummen fast gleichzeitig die wirren Stimmen um mich herum, die sich als bald eingestellt hatten. Ich arbeite mich in der Tasche nach oben, so das ich aus einer kleinen Öffnung schauen kann. Ich seh ganz viele kleine Kinderbeine und so komische Holzbeine. Vier Stück bei jedem paar Kinderbeinen. Stühle auf denen die Kinder sitzen, erklärt mir später Max. Und ein paar riesige Füße mit Schuhen dran, wandern auf und ab und ich höre die Stimme die von Tieren in der Wildnis spricht.

“Hehhh, es ist cool in der Schule “denk ich noch als es plötzlich eine riesiger Lärm entsteht. “RING; RING ;RING! Vor Schreck lass ich mich schnell wieder auf den Apfel fallen und verkrieche mich am Stiel. Ich spüre wie die Tasche hochschnellt, die Klappe geöffnet wird und Max Hand den Apfel greift und ihn zum Mund führen will.

“Maaaaxxxx!” denk ich so fest ich nur kann. Als hätte er mich gehört hält er inne. Nimmt den Apfel in die andere Hand uns schaute den Apfel genauer an.. “Ich werde verrückt! Das Würli! Das Würli auf meinem Apfel! Wow!” flüstert er. “Hallo Max!” “Hallo Würli! Das wir uns mal wieder sehen, hätte ich nicht gedacht!” flüstert er so leise er nur kann. Er will ja nicht ausgelacht werden von den Klassenkameraden weil er mit einem Wurm redet. “Du musst nicht flüstern Max. Du weißt doch. Gedankenaustausch.!” erinnere ich ihn. “Ja stimmt ja!” denkt er sofort und grinst. “Was mach ich denn jetzt mit dir…?” bevor er zu Ende denken kann, ist eine Klassenkameradin neben ihn getreten und hat mich entdeckt und fängt hysterisch an zu quietschen. Fast hätte sie Max den Apfel und mich aus der Hand gehauen. Doch Max hat es kommen sehen und mich in Sicherheit gebracht.

“Was ist hier los?” höre ich die Stimme des Lehrers, der wohl grad Unterricht gegeben hatte. “Nix Herr Schneider! Nadine hat nur den Wurm hier gesehen und ist halt ein bisschen laut geworden!” mit diesen Worten zeigt Max dem Lehrer den Apfel auf dem ich sitze. Ich hab mich so gut es ging verkrochen. Mir ist Angst und Bange. Was würde jetzt schon wieder geschehen. So ein großer und schlauer Mensch. Das konnte nicht gut sein für mich. Opa hat gesagt, wenn die Menschen groß und schlau sind, dann wollen sie immer alles genau wissen. Dann schneiden sie auch Würmer auf, um das Innenleben zu sehen. Im Moment mag ich schlaue Menschen grad nicht! Ich denke ”Max, nimm den Apfel runter!” Aber mein Denken ist zu spät. Der Apfel wird von Herrn Schneider gegriffen und vorsichtig dreht er den Apfel hin und her während er mich betrachtet. “So was hab ich noch nie gesehen! Wollen wir den Wurm in ein Glas tun und nach der Pause mal sehen, was wir über diesen Wurm erfahren!” Panisch denk ich: „Max bitte, bitte hilf mir!”

“Ich kann jetzt kein Theater machen bei dem Pauker, ich hol dich da wieder raus, versprochen. Außerdem ist der Herr Schneider ein ganz netter. Der tut dir sicher nix.“ verspicht er mir. Also ergebe ich mich in mein Schicksal und lande mal wieder in einem Einmachglas mit Erde und Grünzeugs, weil alle Menschen wohl denken, das Würmer grünes Zeugs mögen. Vielleicht ist der Herr Schneider ja keiner von den ganz Klugen, versuch ich mich zu beruhigen. Es gibt wieder dieses laute Geräusch und die Kinder stürmen in die Klasse. Nach ein paar Minuten ist Stille und Herr Schneider beginnt den Unterricht mit den Worten:

"Unser Max hier, hat etwas in seinem Apfel gefunden, was viele wohl eher als ekelig betrachten würden. Aber: Dieser Wurm schaut einer besonderen Gattung anzugehören. Da wir ja eh Biologie haben, passt das ganz gut. Ihr könnt alle mal kurz nach vorne kommen und euch diesen wundervollen Wurm genauer betrachten. Danach werden wir versuchen Informationen über dieses Exemplar zu finden".

Irgendwie ist es lustig, die ganzen großen Kinderaugen vor mir zu haben. Sie haben blaue, grüne, graue oder braune Augen. Und es ist irgendwie interessant sie zu beobachten, so wie sie mich beobachten. Einige sind neugierig, andere schauen nur flüchtig in meine Richtung. Und einer denkt für sich: “Den klau ich nach dem Unterricht!” “Wag dich bloß nicht! Das könnte böse für dich enden!” denke ich fest und sehe ihm tief in die Augen. Erschrocken wendet er seinen Blick ab und geht zu seinem Stuhl. Für den Rest des Unterrichts vermeidet er bewusst in meine Richtung zu schauen. Als alle Kinder fertig sind mit dem Schauen wird es still im Raum. Man hört nur hin und wieder ein Räuspern, oder das Knittern von Papier. Unheimlich still finde ich. Herr Schneider sitzt vor seinem Laptop, so ein Kasten wie auch Felix hat, und sucht wohl auch nach Informationen.

Plötzlich steht er auf und fragte die Kinder!” Na was habt ihr gefunden? Max, fang du mal an. DU hast den Wurm ja auch gefunden!” Max beginnt vorzulesen:” Der Regenwurm……. Es folgen die üblichen Informationen und Max sagt zum Schluss: ”Aber der Wurm da, der ist anders. Die Angaben sind nicht vollständig. Denn ich finde nur die üblichen Sachen. Und das Aussehen vom Wür… ähm Wurm entspricht nicht dem was ich gefunden habe!” fast hätte Max uns verraten. “Ja Max, da hast du vollkommen recht. Ich habe auch im Internet nichts über diese Art Wurm finden können. Ich nehme den Wurm mit in die Universität und ……!”

“Max! Maaaaaxxxx! Nicht in die Uni! Hilf mir. Da will ich nicht hin!!“ Vor Todesangst schien sich mein Kopf zu winden. “Würli, keine Angst. Ich mach das schon. Du kommst nicht in die Uni!” So spricht er den Lehrer an. “Herr Schneider, ich möchte nicht das das Wür…, der Wurm mit in die Uni geht. Ich will ihn behalten!” “Aber Max, dieses Ding da..!” Was Herr Schneider noch sagt geht an mir  vorbei. Ich bin empört!

“DING?! Hast du gehört Max. Er hat mich als Ding bezeichnet. Ich bin doch kein Ding! Oh Max, rette mich. Wenn er mich schon als Ding bezeichnet. Das kann nicht gut sein!” “Herr Schneider, sie haben ja Recht. Für die Studenten ist das sicher ein interessantes Exemplar, aber …..!” weiter kommt Max nicht. “Und deshalb keine weitere Diskussion, ich nehme ihn mit. Und fertig!” wird Herr Schneider Stimme bestimmter. In mir schreit es nur: “Max, bist du verrückt geworden?” “Würli, verschwinde mal aus meinem Kopf. Ich muss nachdenken und das in Ruhe. Ich lass dich nicht im Stich. Aber jetzt lass mich grad mal nachdenken!” Den Rest den Tages verbringe ich im Glas und als der Unterricht zu Ende ist, geht Herr Schneider und vergisst das Glas, indem ich sitze, mitzunehmen. Max kam, nahm mich aus dem Glas und wirft das Glas auf die Erde. Es zerbricht, als es auf den Boden knallt. Max schnappt sich seine Schultasche und rennt mit den anderen nach draußen. Nach einer Weile hält er an, öffnet seine Hand und schaut besorgt nach mir. “Alles ok Würli? “Ja, ein bisschen gequetscht, aber sonst alles ok. Danke du hast mein Leben gerettet!” “Quatsch! Jetzt gehen wir erst mal nach Hause. Felix wird Augen machen.” “Und macht der Lehrer dir morgen in der Schule keinen Ärger!” frag ich Max. “Nöö, der wird denken, das Glas ist runter gefallen und nach dir suchen und dann aufgeben. Er wird zwar sauer über die verpasste Gelegenheit sein, aber es weiß ja keiner das ich dich mitgenommen habe!“ Dabei lacht er diebisch.

Zuhause angekommen bereitet Max mir ein schönes neues Heim. Ich bekomme wieder ein Aquarium, zwar kleiner als das erste, das aber trotzdem groß genug für mich ist. Felix begrüßt mich überschwänglich und mit großer Freude und sogar Tiger der Hund freut sich, das ich da bin. Das Aquarium wurde mein Zuhause und mit Max und Felix sollte ich noch viele bunte Abenteuer erleben.