Dies und das. Mal schaun von was


Vorwort

Wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht; Denn Gott ist Liebe.

Aus dem Johannes-Evangelium Kapitel 4, Vers 8

 

Lange Zeit war mein Dasein für mich die reinste Hölle. Doch nun bin ich voller Zuversicht und habe wieder Spaß am Leben. Ein Besuch beim »Seelenklempner« war für mich der letzte Ausweg; ich brauchte Hilfe zur Selbsthilfe, denn allein kam ich aus dem Loch meiner Depression nicht mehr heraus.

Doch man muß eine Therapie wirklich wollen, damit sie einem helfen kann. Das ist das Wesentliche, denn sonst sind alle Hilfsangebote vergeblich. Meine Rettung war die dynamische Psychotherapie nach Dr. med. Wilfried Dogs. Dies ist eine Therapieform, die sich hauptsächlich auf die Elemente Hypnose, autogenes Training, Musik- und Sensitivtherapie stützt.

ich völlig am Ende war, empfahl mir mein Arzt eine Klinik, in der diese Therapieform angewendet wurde. Heute bin ich den Ärzten und Mitarbeitern dieser Einrichtung zutiefst dankbar, denn mit ihrer Hilfe habe ich wieder zurückgefunden zur Normaliät, in ein Leben, das für mich wieder lebenswert ist.

Wenn Ihr Selbstvertrauen genauso angeknackst ist, wie es meins war, und sich Ihr Leben zur Last entwickelt hat, haben Sie den Mut, es wieder neu aufzubauen! Ich bin mir sicher, daß es auch für Sie eine geeignete Therapie gibt. Lassen Sie es zu, daß Ihnen geholfen wird, denn dann wird es Ihnen bald besser gehen.

Verspüren Sie manchmal den Wunsch, einfach zu sterben, weil Sie mit dem Leben nicht mehr zurechtkommen? Fragen Sie sich immer wieder, wieso Sie eigentlich geboren wurden? Haben Sie keine Energie mehr, Ihrer Arbeit mit Freude nachzugehen? Ödet Sie einfach alles an? Rennen Sie kopflos durch die Wohnung, nur um lediglich festzustellen, daß Sie nichts, aber auch gar nichts geschafft haben? Fühlen Sie sich wie ein Simulant, wenn Sie wegen Schmerzen zum Arzt gehen, dieser Ihnen aber sagt, Sie seien kerngesund? Fehlt Ihnen organisch nichts, und doch rauben ständige Schmerzen Ihnen den letzten Nerv? Machen sich Langeweile und Trostlosigkeit in Ihrem Leben quälend breit? Dann ist es höchste Zeit etwas zu tun.

Diese Fragen, diese - sagen wir - unschönen Lebenssituationen, trieben mich schließlich zum Nervenarzt und Psychologen. Ich war völlig down und lebensmüde. Doch hatte ich gerade noch die Kraft, mich auf den Weg in eine psychotherapeutische Klinik zu machen. Und das war mein Glück. Freunde und Bekannte trugen nicht dazu bei, meine Ängste zu vertreiben. Nein, ganz im Gegenteil! Sie schürten die vielen Vorurteile nur noch und ängstigten mich zum Teil derartig, daß ich meine bewilligte Kur im letzten Moment fast noch abgesagt hätte.

»Ich hab doch keinen Riß in der Schüssel! Ich bin doch nicht bekloppt! Was soll ich in solch einer Klinik? Ich bin nicht irre! Seelisch krank? So ein Schwachsinn! Ärzte lassen sich doch immer was neues einfallen, um Geld zu verdienen.« Solche und ähnliche Sätze hatten sich auch in meinem Kopf festgesetzt und hielten mich lange davon ab, fachmännische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und die Angst, in ein Krankenhaus zu müssen, in dem man sich um »bescheuerte Leute« kümmert, ließ mich lange nicht los. Doch meine Situation wurde immer unerträglicher, und ich bedurfte bald ständiger ärztlicher Behandlung. Immer wieder hatte mein behandelnder Arzt versucht, mir begreiflich zu machen, daß die Schmerzen, unter denen ich litt, psychosomatisch waren und sie nur durch eine Behandlung meiner Seele verschwinden würden. Er hatte mir die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erklärt, doch seine Ausführungen konnten meine Bedenken nicht aus dem Weg räumen. Eine unbestimmte Angst blieb.

Ich suchte nach einem Buch, das mir vielleicht die Angst nehmen würde, aber ich fand nur wissenschaftliches Material oder solche Texte, in denen berichtet wurde, welches Schindluder mit der Psyche der Menschen getrieben werden kann. Diese Tatsache schreckte mich natürlich wieder ab und erzeugte in mir panische Angst vor einer Therapie. Erst die Behandlung selbst und die Erfahrungen, die ich später in der Klinik machen konnte, widerlegten letztlich die Vorurteile, die so tief saßen. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Lange Zeit verstörten mich meine Suizidgedanken vollends. Ich wollte lieber sterben als so weiterleben wie bisher. Schließlich war ich so am Ende, daß ich mir klar wurde: Eine Therapie ist meine letzte Chance.

Endlich begann ich, dem Klinikaufenthalt entgegenzufiebern. Bereits sechs Wochen nach der Psychotherapie hatte sich mein Leben schon zum Guten verändert. Es war unglaublich, was sich da bewegen ließ. Doch bis es soweit war, mußte ich durch eine sehr harte Schule der Selbsterkenntnis gehen. Sie war schmerzlich, lehr- und tränenreich. Eine Therapie ist kein Zuckerschlecken, und der Aufenthalt in der Klinik auch kein Urlaub auf Kosten der Krankenkassen. Damit Sie mich gleich richtig verstehen: All diese Quälerei lohnt sich nur, wenn Sie es wirklich wollen. Nur dann - und wirklich nur dann - wird eine Therapie auch helfen. Sätze wie »So ein Blödsinn, da mach' ich nicht mit. Was soll der Schwachsinn eigentlich?« verhindern, daß die Hilfe auch bei Ihnen ankommt. Die dürfen Sie absolut nicht mehr im Hinterkopf haben, denn mit solch einer Einstellung kommen Sie nicht weiter, keinen Schritt. Sollten Sie aber trotzdem so denken, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen, denn ich habe früher die selben Vorurteile gehabt wie Sie. Wenn Sie sich selbst helfen wollen, dann lassen Sie die Hilfe auch auf sich zukommen, nehmen Sie sie an, und lassen Sie sie wirken. Denn dann werden Sie etwas Wunderbares erleben, Sie werden den Wandel spüren. Ich weiß, wovon ich rede. Und leider war ich am Anfang auch nicht schlauer als die meisten anderen Menschen.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Kur mit nach Hause nahm, war das Wissen um meine Seele. Ich dachte auch einmal, daß es so etwas nicht gibt. Was »Seele« genau ist, kann ich leider auch nicht sagen. Darüber haben schon viele Philosophen und Theologen nachgegrübelt und Bücher geschrieben, die ich zwar gelesen, aber nicht ganz verstanden habe. Aber durch meine Gespräche in der Therapie, begann ich zu ahnen, daß etwas enorm Wichtiges in diesen Werken steht: Sie haben mir dabei geholfen, wieder daran zu glauben, daß ich überhaupt eine Seele habe. Ob sie nun unsterblich ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Aber ich spüre und fühle sie jetzt täglich. Das macht mein neues Selbstbewußtsein aus. Seit meiner Kur weiß ich, daß es die Seele gibt. Ich lebe mit ihr, da sie mir den Weg zeigt. Sie hilft mir, das Leben anzunehmen und zu genießen. Und sie arbeitet umgekehrt auch wieder gegen mich, wenn ich den falschen Weg einschlage. Es dauert meist nicht lange, bis sich in mir negative Gefühle wieder bemerkbar machen. Früher konnte ich nicht sagen, woher diese Empfindungen kamen. Doch heute ist mir bewußt, was sie bedeuten, und ich kann damit leben. Inzwischen bin ich in der Lage, Situationen, in denen ich mich unbehaglich fühle, zu bewältigen, auch wenn andere mich dann blöd anschauen. Denn oft wage ich Dinge, die »man« einfach nicht macht.

Damit Sie vielleicht ein wenig besser verstehen, was ich damit meine, möchte ich es anhand von Beispielen verdeutlichen:

Als Kind empfand ich Haß gegenüber meiner Mutter und wußte nicht warum. Solche Gedanken hegt »man« doch nicht, wenn es um die eigene Mutter geht, die alles für einen tut, dachte ich jedesmal erschrocken. Diese Haßgefühle quälten mich aber, und ich lernte, sie aus Vernunftgründen zu unterdrücken und zu vergessen.

Mein Vater tat Dinge, die meine Mutter verletzten. Ich haßte ihn dafür. Doch gleichzeitig sehnte ich mich nach seiner Aufmerksamkeit. Dafür schämte ich mich. Das durfte nicht sein, und so lernte ich auch in der Beziehung, meine Empfindungen zu verdrängen und wegzuschieben.

Bedingt durch meine Erziehung, benahm ich mich viele Jahre lang wie ein Junge. Doch tief in mir drin steckte ein kleines Mädchen, das sich danach sehnte, auch als ein solches behandelt zu werden. Doch immer, wenn ich mich so benahm, wie ich mich eigentlich fühlte, fand ich keine Anerkennung. Also lernte ich auch hierbei, diesen Wunsch und meine Gefühle zu unterdrücken und zu vergessen.

Ebenfalls durch meine Erziehung hatte ich verinnerlicht, daß Sex etwas Schmutziges und reine Männersache war. Frauen hatten nur zur Verfügung zu stehen. Das war die allgemeine Meinung (eher die meiner Mutter). Ich bekam dadurch Angst vor der Sexualität und hatte ein schlechtes Gewissen wegen meiner eigenen Bedürfnisse. Ich lernte auch hier sehr schnell, meine Gefühle zu unterdrücken und zu vergessen.

Das ständige Unterdrücken meiner Gefühle riß nicht ab. Immer wieder gab es Situationen, die mich dazu zwangen, meine Emotionen wegzuschieben. Ich hatte nie den Mut, meinen Mitmenschen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Ich wußte, daß »man« so etwas nicht tut, wenn man mit ihnen in Frieden und Harmonie leben will. Also schluckte ich und schluckte ich immer wieder alles hinunter, ohne daß es mir bewußt war. Ich lebte viele Jahre in dem irrigen Glauben, glücklich und zufrieden zu sein - ausgenommen an den Tagen, an denen mich schlimme Bauchschmerzen plagten, die kaum auszuhalten waren. Doch die Seele läßt sich das irgendwann nicht mehr gefallen. Sie meldet sich mit heftigen Gefühlsausbrüchen.

Ich konnte diese Emotionen nie begreifen und auch nicht damit umgehen, sondern ich spürte nur: Ich war nicht mehr ich selbst. Eines Tages stand ich dann vor dem Spiegel und schaute in mein Gesicht - in zwei, mir völlig fremde, glanzlose blaue Augen. »Wer verdammt noch mal bist du eigentlich?« fragte ich mich verzweifelt. Ich wiederholte diese Frage immer wieder und hatte das Gefühl, sie doch jemand anderem zu stellen. Es war ein erschreckendes Erlebnis, und Angst begann sich in mir breitzumachen. Es wurde zur Qual, in den Spiegel zu schauen, und doch tat ich es zwanghaft wieder und intensiver. Panik überkam mich. »Wer bin ich? Wie bin ich? Was bin ich? Und was, verdammt noch mal, will ich? Wer bist du, die mich da im Spiegel ansieht?«

Allmählich an meinem Verstand zweifelnd, wandte ich mich hilfesuchend an einen Arzt. Meine Fragen vor dem Spiegel verschwieg ich und erzählte ihm nur von meinen Eheproblemen und daß ich keine Lust mehr hatte weiterzuleben. Erst in der Therapie begriff ich, daß dieses unbekannte Etwas in meinem Spiegelbild, diese andere, mir unbekannte Person, mein wahres Ich ich war. Oder wie ich heute zu sagen pflege, meine Seele, die ich erst neu entdecken mußte beziehungsweise jetzt erst kennen- und akzeptieren lernte. Eigentlich war ich ganz anders, als ich mein ganzes Leben lang geglaubt hatte. Meine inneren Wünsche hatten nichts mit dem gemein, was ich äußerlich immer dargestellt hatte. Meine Situation war ziemlich verzwickt, und mein Leben wurde zur Qual. Dieser Zwiespalt wurde mir erst in der Therapie bewußt. Es dauerte lange, bis ich merkte, daß die Behandlung mir half, und so akzeptierte ich allmählich, was nach und nach von mir zum Vorschein kam.

Heute wünsche ich mir oft, daß mir viel eher ein Licht aufgegangen wäre, denn wegen meiner starken inneren Ablehnung der Therapieangebote versäumte ich kostbare Tage bei dem Versuch, mich damit abzufinden, in einer Klinik zu sein, in die ich eigentlich nie rein wollte. Mein wirkliches Ich zeigte mir seit meiner Therapie den Weg, den ich zu gehen habe, öffnet mich für alle Hilfsangebote und hilft mir, all meine Probleme in den Griff zu bekommen. Von klein auf hatte mein Selbst immer und immer wieder bei mir angeklopft, doch ich war niemals in der Lage gewesen, das zu begreifen. Mancher Mensch muß wohl erst reifen, um sich selbst zu verstehen. Der eine lernt es früher, der andere später. Ich mußte 34 Jahre alt werden, um mich richtig kennenzulernen.

Es war ein harter, sehr tränenreicher, aber wichtiger Weg zur Selbsterkenntnis. Heute lebe ich wieder gern, auch wenn es nach wie vor schwierige Probleme zu lösen gibt. Ich habe gelernt, damit umzugehen, und was sehr wichtig ist: Ich kann mir selbst auch Fehler verzeihen. Aber eines möchte ich noch einmal betonen: Ohne meinen Klinikaufenthalt wäre ich nie wieder so lebensfähig geworden, wie ich es heute bin. Ich hoffe deshalb, mit diesem Buch Vorurteile gegenüber psychologischen Behandlungen abbauen zu können. Sollten Sie also solche besitzen, lesen Sie meine Geschichte. Vielleicht sehen Sie dann alles mit anderen Augen. Seien Sie ich, wenn Sie dieses Buch lesen, und fühlen Sie mit, wie aus einem lebensschwachen Kind eine selbstbewußte und reife Frau wurde, die jedoch das Kind in sich niemals aufgeben will und die heute zu ihrem wahren Ich stehen kann.