Dies und das. Mal schaun von was


Profifußballer

Mike hatte viele Stunden hart trainiert, hatte wochenlang auf Freizeit verzichtet, um an diesem Pfingstturnier teilnehmen zu können. Endlich war es soweit. Voller Vorfreude schwärmte Mike von seinem Ersten bevorstehendem Einsatz als Stürmer in seinem neuen Verein. Sein Ziel war Fußballprofi zu werden. Und dafür tat er alles. Sein Vater war stolz und unterstützte ihn. Dies war der erste Schritt in eine verheißungsvolle Zukunft.

Sie konnten nicht ahnen, was an diesem Tag auf sie zukommen würde. Mike's Nervosität an diesem Morgen übertrug sich auch auf die Familie. "Wo sind meine neuen Fußballschuhe? Hast du auch alles in die Sporttasche gepackt? "Jutta! Lass mein Trikot liegen!" schrie er seine kleine Schwester an, die sofort anfing zu weinen. "Oh nee, muss ich mir jetzt das Geplärre von der anhören!" moserte er lautstark. Sein Vater Klaus blieb ruhig und gelassen. Er musste jetzt dafür Sorge tragen, dass er seinen Sohn mental ruhig stellte.

"Mike! Geh doch schon mal in den Wagen. Deine Musik CD ist schon eingelegt. Entspann dich Junge!" riet er seinem Sohn. Nachdem der Fußballer, inzwischen ein gefragter Mitspieler, sich im Wagen auf dem Beifahrersitz entspannte, sprach Klaus mit seiner Frau Birgit. "Birgit, bitte denk dran. Mike hat heute einen schwierigen Tag. Er kann heute wichtige Erfahrungen sammeln. Reiß dich zusammen, wenn er mal getreten wird. Du weißt, dass das Fußballgeschäft ein Hartes ist und Verletzungen gehören bei diesem Sport nun mal an der Tagesordnung. Damit muss der Junge leben. Du blamierst ihn nur, wenn du dich zu sehr um ihn kümmerst!"

Birgit schaute ihren Mann enttäuscht an. Er schien keine Ahnung von den Gefühlen einer Mutter zu haben, die zuschauen sollte, wie man ihren Sohn verletzte. Sie wusste schon längst, dass die Zeiten vorbei waren. Sie durfte nicht mehr auf das Spielfeld laufen, um ihren Sohn zu trösten. Ihre Mutterrolle war vorbei, sobald ihr Sohn auch nur in die Nähe eines Fußballplatzes kam. Birgit hasste den Fußball, aber ihrem Sohn zuliebe, nahm sie an allen Spielen teil, indem sie am Spielfeldrand stand und ihm zuschaute. Ihre Ängste versuchte sie so gut wie möglich zu verbergen. So auch an diesem verhängnisvollen Pfingsten. Vor dem ersten Spiel, an dem Mike teilnehmen sollte, schüttelte der Vater seinem Sohn die Hand und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.

Birgit fand den Schlag dann schon viel zu heftig. Mike lächelte gequält seine Mutter an und wandte sich ab, um an die Mittellinie des Spielfeldes zu laufen. Klaus stand mit seinem Freund Andreas hinter dem gegnerischen Tor in der Erwartung eins oder mehrerer Tore seines Sohnes. Seine Brust schwoll an, als die Spieler durch Lautsprecher vorgestellt wurden. "Naja, er muss ihnen schon was bedeuten, sonst hätten sie ihn nicht mit den neuesten Sportartikeln ausgestattet!" sind seine Gedanken bis zum Anpfiff des Spieles. Mike spielte guten Fußball. Es fehlte ihm nicht mehr viel bis zum Profi. Man sagte ihm nach, er würde spielen wie ein Jürgen Klinsmann. Mike liebte Jürgen. Er hatte seine Poster im Zimmer hängen und sah sich jedes Spiel noch mal an, denn sein Vater nahm sie alle auf, damit er daraus lernen konnte.

Doch nun war alles Unwichtig. Mike hatte schon in den ersten Sekunden Ballkontakt und zeigte ein gutes Spiel. Leider nahm ihm ein Gegner den Ball ab und nur kurze Zeit später fiel das erste Gegentor.

"Schiiiirie! Bist du blind du Scheißer? Haste nich gesehen, wie sie ihm in die Beine getreten haben? Du dämlicher Hampelmann!" schrie Klaus aus voller Kehle. Mit ihm sein Freund Andreas und viele der Zuschauer. "So eine Schlappe!" maulte Klaus. "Man, nu reg dich doch mal ab! Noch ist doch gar nichts entschieden. Haben doch erst angefangen. Dat wird schon noch!" versuchte Andreas ihn zu beruhigen. Andreas Sohn Thomas war schon Stammspieler in der Mannschaft und ein halbes Jahr älter als Mike. Thomas drippelte dem Gegner den Ball ab und brachte den Ball ins gegnerische Tor. "Tor, Tor, Tor!" brüllte die Menschenmenge. Diesbezüglich hatte die Mannschaft Heimvorteil. Es waren viele Einheimische auf die Sportanlage gekommen feuerten mit großer Lautstärke die heimische Mannschaft an.

Zur Halbzeit stand es immer noch 1:1 Mike hatte ein gutes Spiel gemacht, und sein Trainer lobte ihn. Da er aber noch neu in der Mannschaft war, sollte er erst ein wenig später wieder zum Einsatz kommen. Mike fand das überhaupt nicht gut und rannte am Spielfeldrand wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her. Versuchte seine Kollegen zu dirigieren. Endlich kam das erlösende Handzeichen des Trainers. Mike durfte wieder rein. Nach einigen Minuten hatte er wieder Ballkontakt. Das Tor nicht weit entfernt, rannte er mit dem Ball als ginge es um sein Leben. Die Menschenmenge schrie. Mike hörtte nichts mehr. Er rannte nur mit dem Ball Richtung Tor.

"Nein, nein. Junge wo willst du denn hin? Andere Richtung Mike! Junge, was ist denn bloß los mit dir?" schrie verzweifelt sein Vater. Die Menschenmenge schrie belustigt und lachten. Echte Fußballfans allerdings beschimpften ihn aufs Übelste. Mike schien endlich wahrzunehmen was um ihn herum geschah. Sein Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Zu dem Entsetzen seines Vaters und der Belustigung der Zuschauer hörte der "Star" auf zu laufen, bückte sich nach dem Ball und nahm ihn in die Hand.

Er lief auf Thomas zu und hielt ihm den Ball vor die Nase. Thomas konnte nichts sagen. Jedes Wort blieb ihm im Hals stecken das er sagen wollte, als Mike zu ihm sagte: " Du hast heute Geburtstag, du sollst den Ball haben!" Thomas wusste, das dass das Ende im Verein sein könnte. Doch er blieb stumm und starrte seinen Freund nur entsetzt an.

"Warum muss ausgerechnet mir das passieren!" maulte der Trainer und nahm Mike logischerweise sofort vom Platz. "Blödmann, so ne Lachfigur, da steckt Bestechung dahinter!" sind Worte, die Mike hört, aber nicht wirklich versteht. Aber das man ihn auslachte, das begriff er doch. Mike begann zu weinen und suchte den Blick seiner Mutter. Sein Vater strafte ihn mit Nichtachtung. Nichts war geblieben von seinem väterlichen Stolz.

Birgit fragte sich zum tausendsten mal, ob man nicht zu viel von ihrem Sohn erwartete. Tränenverschwommen stand Mike vor seiner Mutter. "Ich wollte doch Tommi nur ne Freude machen!" schluchzte er. Entsetzt über die Schadenfreude und das Schauspiel, das sich Birgit bot, nahm sie ihren sechsjährigen Sohn einfach in den Arm und gab den Teufel drauf, was ihr Mann Klaus wollte oder nicht. Sie kaufte ihm ein Eis und kuschelte mit ihm, bis er sich beruhigt hatte.Wie gut das kleine Kinder schnell vergessen können. .