Dies und das. Mal schaun von was


Wido/ für Antje :-)

Wido ist ein ganz Lieber. Wido ist genügsam und verträglich. Was mir am meisten an ihm gefällt ist Widos kräftiges und strahlendes Gebiß. Wido ist groß und schwer. Ein richtig kantiger Kerl. Mit ihm kann man sich zeigen und niemand wird einem je zu nahe kommen. Wido hat nur einen Nachteil:

Er ist sturer als ein Maulesel. Und er ist kein Mann, sondern ein Hund.Ein großer schwarzer Elo. Er ist der Hund meiner Freundin Antje gewesen.

Eigentlich sollte er für die Urlaubszeit in einem Tierheim untergebracht werden. Antje hatte fast schon Gewissensbisse deshalb. Das ist aber auch alles ein Aufwand. Und wer weiß ob Wido sich da wohl fühlt.

In der darauffoldenden Nacht träumte ich von Wido.

Er sah hundeelend aus, Tränen liefen aus seinen Augen und er fühlte sich so gar nicht wohl im Heim. Im Traum sagte er mir: Ich will hier raus. ich will nicht hier bleiben. Hol mich raus!" Ich erzählte meinem Mann von diesem Traum und so entschlossen wir uns, Wido für die Zeit in der Antje in Urlaub fliegen würde, zu uns zu holen. Ich war arbeitslos und somit eh den ganzen Tag zuhause und immer für Wido da. Eine Woche später klingelte das Telefon. Ich bekam einen Aushilfsjob, für den ich mich schon Monate vorher beworben hatte. Da ich diesen Job unbedingt haben wollte sagte ich erst mal zu.

Was hatte ich mir da nur angetan. Zwei Kinder die sich kaum um den eigenen Hund kümmern. Der Mann bis spät in den Abendstunden arbeiten und ich sollte nun auch arbeiten. Wie krieg ich das mit Wido hin? 3 Stunden brauchte ich, um meine Freundin anzurufen um sie schonend darauf vorzubereiten, das das mit dem Hund doch nicht gehen könnte. War mir das peinlich! Aber die Rettung nahte durch die Nachbarin, die sich bereit erklärte auf Wido zu achten, wenn ich arbeiten gehe.

Das Problem Arbeitszeit löste sich von selbst. Ich musste erst in den Abendstunden arbeiten, da wäre mein Mann dann zuhause. Ich freute mich auf Wido.

Sonntag abend: Eine Woche vor Widos Ankunft, legte sich meine Tochter Stefanie mit Schwung und elegant auf die Nase. Sie hatte die Kontrolle über ihre Rollerblades verloren. Rechter Ellenbogenbruch, Krankenhaus und viele Tränen. Meine Nerven waren blank.

Stefanie weinte viel und ich wollte sie nie länger als eine Stunde alleine lassen. Mein Sohn Michael stink sauer, weil er auf den Hund aupassen musste, da der höllen Lärm machte, wenn man ihn alleine lies. Ehemann kaputt von der Arbeit, musste sich im Eiltempo umziehen um mich zur Arbeit zu bringen und anschließend an das Bett seiner Tochter zu eilen. Die war meist schon eingeschlafen, aber hielt Papas Hand ganz fest, damit er nicht wieder geht.

WIe soll das alles gehen mit Wido. Ich betet das mein Kind eher aus dem Krankenhaus entlassen würde, als geplant. Antje absagen, das kam gar nicht in Frage. Irgendwie würden wir das hinkriegen. Nur Stefanie müsste entlassen sein.Dann klappt das schon.

Als Antje sich meldete, war ich nicht zuhause und so ging meine Mutter die täglich vorbei kam ans Telefon. Muttern wie immer alles regeln will, meinte zu Antje, das das mit dem Hund nicht gehen würde. Kind im Krankenhaus und die Arbeit. Ob sie sich nicht was anderes überlegen könnte."Mutter! Wie oft soll ich dir noch sagen, entscheide nicht über mich. Ich weiß selbst was ich kann und was nicht!" Schnell rief ich Antje an und klärte die Sache. Peinlich, peinlich. Wie gut das Antje ein so unkompliziertes Wesen ist. 

Freitags kam Antje dann mit ihrer Tochter, Mann und Hund. Unser kleiner Kläffer Racker , vertrug sich wunderbar mit Wido.Wido ließ ihn sogar an seinem Fressnapf schnuppern. Eine hohe Auszeichnung meinte Antje. Der lässt nicht jeden an seinen Napf! Normalerweise knurrt er böse und beißt im Notfall auch! Tja, was das zu bedeuten hatte, sollte ich noch erfahren. Aber die erste Sorge wie sich die Hunde vertragen war schon mal verflogen. Die zweite Sorge, die Hunde alleine zu lassen, löste sich auch schnell auf. Als wir zu Stefanie ins Krankenhaus fuhren und die beiden alleine ließen, bellten sie kurz und dann war Ruhe.Stefanie wurde am nächsten Tag entlassen und so waren alle meine Sorgen umsonst gewesen. Wir machten uns einen schönen Nachmittag bis Antje sich verabschiedete. Mein Mann war inzwischen auch heim gekehrt und konnte mich zur Arbeit fahren. Alles lief in geordneten Bahnen.

Die erste Nacht mit Wido verlieg wunderbar. Er hatte sich einen Platz im Wohnzimmer gesucht, flatschte sich vor die Couch und dort blieb er bis zum nächsten Morgen. Mein Mann musste Wido fast schon wecken, damit er mit ihm Gassi gehen konnte.

Ich war wie so oft alleine mit den Hunden. Mein Sohn war mit einem Freund schwimmen, die Tochter oben im Haus bei einer Freundin. Ich saß in der Küche und schmierte mir ein Brötchen. Wido kam, setzte sich vor mich. Er sah mich mit seinen großen Kulleraugen an und grunzte. Ich erschrak so heftig, das ich es mit der Angst zu tun bekam. Ich sah ihn an. Er sah mich an. Er neigte seinen großen runden Kopf mit den kleinen Schlappohren erst nach links, dann anch rechts und grunste wieder.Im Nachhinein war es eher ein niedliches Bild, das ich da vor mir hatte. Aber der Schrecken saß so tief das ich mir in Gedanken sagte: "Na und nun? Jetzt darf er nicht merken das du dich komisch fühlst. Er darf nicht merken das ich Angst habe! Und erst recht keine Angst zeigen, das ist jetzt verdammt wichtig" Ich weiß nicht woher meine Ängste plötzlich kamen, aber ich denke es war das Gebiß des Hundes, das er mir bei seinen Grunzlauten deutlich zeigte. Er sah mich forschend an als wollte er herausfinden was in mir vorging. Vorsichtig begann ich ihn zu streicheln. Das schien mir im Moment die beste Reaktion zu sein.

Gleich darauf llegte er sich auf die Seite. Seinen großen Pranken hingen in der Luft und mit der Pfote stieß er mich immer wieder an. Ich musste lachen. Er wollte einfach nur gestreichelt werden. Also entspannte ich mich. Ich saß auf dem Stuhl in der Ecke und Wido vor mir, ich hätte keine Fluchtmöglichkeit besessen. Aber die Welt war wieder in Ordnung und Wido trottete irgendwann wieder ins Wohnzimmer. 

Er war auf Diät gesetzt und so musste ich mich an die Order halten. Er tat mir leid. Er starrte immerzu das Essen an, was man gerade in der Hand hielt. Aber ich blieb hart! Wido auch und fasste sein Hundefutter nicht an. Ich setzte mich an den PC und erledigte meine Aufgaben. Wido rückte hin und wieder an, ließ sich streicheln und schlich wieder von dannen. Merkwürdiger weise hörte man in der Zeit auch kaum was von Racker. Er schien unsichtbar geworden zu sein. Aber es war wohl eher so, das Wido eine beruhigende Wirkung auf unseren kleinen Racker hatte. Er bellte viel weniger, war ruhig und lag ständig irgendwo und schlief. Sehr angenehm! In der Mittagszeit ließ ich die Hunde kurz alleine und ging einkaufen. Als ich zurück kam, stand meine Mutter mit beiden Hunden an der Leine in der Türe.

"Bist du verrückt geworden? Du kannst doch nicht mit beiden Hunden spazieren gehen. Wido zieht dich weg, wenn er erst mal richtig anfängt zu rennen! Dann kannst du ihn nicht mehr halten!" versuchte ich sie davon abzubringen. Doch sie wischte meine Bedenken beiseite und lief einfach los.Ich dachte mein Herz setzt aus. Eine halbe Stunde überlegte ich, wie ich Antje erkläre das ihr Hund verschwunden ist, sollte das schief gehen. Doch dann kam Mutter zurück mit einem Strahlen im Gesicht. "Siehst du, da bin ich wieder. Hat alles gut geklappt. Du machst dir immer nur zuviele Sorgen, Kind" Wie ich das hasse, das sie mich Kind nennt. Aber es war ihr einfach nicht abzugewöhnen. Ich selbst traute mich nicht mit dem großen Hund spazieren zu gehen. Mutter kam dann jeden Tag und hatte Freude mit den beiden Hunden.

Einen Nachmittag entschloss ich mich, mit den Hunden in den Garten zu gehen.Wido suchte sich einen Schattenplatz und blieb dort liegen. Racker versuchte ihn mehrmals zum Spielen zu animieren, doch er hatte darauf wohl keine Lust, denn irgendwann knurrte er Racker an. Der zog den Schwanz ein und trollte sich. Ich musste über unseren kleinen Angsthasen mit der großen Bellerklappe lachen.

Nach zwei Stunden wollte ich zurück an meinen PC. Die Hunde sollten mit in die Wohnung gehen. Mir war es zu riskant Wido dort zu lassen, denn es waren noch einige kleinere Kinder im Garten. Und Hunde sind nun mal unberechenbar. Also stand ich auf und rief:" Wido komm!" Doch Wido kam nicht. Er sah mich nur an. legte seinen Kopf zwischen die Vorderpfoten und schloss die Augen. "Wido, nun komm schon!"

Er drehte sich um und zeigte mir sein Hinterteil. Ich ging zu ihm, streichelte sein Fell und versuchte es mit freundlichem Reden. Er hob den Kopf, spitzte die Ohren und sah mich an, als wollte er sagen: "Red du nur, lass mich in Ruhe!" Hinter mir hörte ich das Lachen der Nachbarn. "Also Wido, so geht das nicht. Du musst schon mit reinkommen. Ich muss arbeiten. Also steh auf jetzt und komm!" sprach ich energisch.

Ich schimpfte, ich schmeichelte, versuchte es mit an der Leine ziehen, nichts half. Er blieb stur. Dann versprach ich ihm eine Scheibe Wurst, trotz der Diät. Aber er bewegte sich keinen Millimeter vom Fleck. Naja ich hätte wissen müssen, das er auf das Wort Wurst nicht reagiert, erst wenn er sie sieht. Aber er sollte ja auch nicht wirklich eine kriegen? Ob er das wohl ahnte? Also blieb ich notgedrungen im Garten bis mein Mann nach Hause kam. Wido sprang auf, wedelte mit dem Schwanz und folgte ohne aufgefordert worden zu sein, ihm in die Wohnung. "Grmmmmhhh"

Am Abend boten wir ihm wieder sein Hundefutter an. Er drehte ab und ging ins Wohnzimmer. Ich wollte nichts unversucht lassen, so brachte ich ihm seinen Napf hinterher und setzte es ihm vor die Nase. Er fraß nicht. legte aber seine Pfoten rechts und links vom Napf. Er sah aus wie die Sphinx von Gizeh. Racker, gewohnt an Widos Napf zu gehen lernte eine neue Lexion. Wido knurrte und schnappte nach ihm, Racker zog den Schwanz ein und blieb in angebrachtem Abstand sitzen. Er war verstört. Auch ich und Ehemann durften den Napf jetzt nicht anfassen.

Sobald Wido seinen Platz verließ, schnappte ich mir den Hundenapf und brachte ihn raus. Da hatte ich ja was angerichtet. Von nun an, fütterte ich die Hunde an verschiedenen Plätzen. Das Schauspiel wollte ich nicht noch mal erleben. Auch ich hatte meine Lektion bekommen.

Am nächsten Morgen ging mein Ehemann mit Wido um 6:30 Uhr kurz Gassi. Er hatte es eilig, denn er war schon spät dran. 100 Meter vor dem Gartentor, entschloss sich Wido eine Ruhepause einzulegen. Er legte sich auf den Borstein und dort blieb er liegen. Nur mit Mühe und Not hatte er es geschafft den Hund bis zur Haustüre zu bringen, als dieser sich entschloß doch draußen wollen zu bleiben. "Was mach ich denn jetzt?" unruhig sah er auf seine Uhr. Er musste dringend zur Arbeit fahren. Ich stand in Unterwäsche in der Türe und musste grinsen. Naja, da muss man dann leider tricksen. Ich ging in die Küche und holte eine Wurst. Der Zweck heiligt die Mittel. In Gedanken bat ich Antje um Verzeihung, aber ein Stück Wurst würde seine Diät nicht kaputt machen.

Die Wurst verschlang er, als hätte er wochenlang nichts bekommen. Von seinem Spezialfutter nahm er nur ein paar kleine Happen. Aber Wurst gab ich ihm keine mehr. Irgendwie tat es weh, das er so gar nicht fressen wollte. Aber seine Diät wollte ich nicht abbrechen.

Das er bei jedem, der etwas zu essen in der Hand bettelte, brauch ich wohl kaum erwähnen. Allerdings tat er das auf so eine nette und niedliche Art, das es einem verdammt schwer fiel, hart zu bleiben. Er legte dann seinen Kopf auf deine Knie und winselte wie ein Jungtier. Es war schon erstaunlich, das ein so großer Hund, der so tief grunzen konnte, solche Töne von sich gab.

Auch am nächsten Morgen mussten wir ihn mit einer Scheibe Wurst ins Haus locken. Hundefutter verschmähte er weiterhin. Am folgenden Morgen schien er sich in sein Schicksal zu ergeben und brauchte keine Wurst mehr um ins Haus zu kommen.Es ließ sich nicht vermeiden das ich dann doch mit Wido rausmusste. Es war niemand anderes zur Verfügung. Meine Tochter begleitet mich. Sie selbst konnte den Hund nicht halten, mit ihrem Gipsarm. Ich war heil froh, als wir uns dem Haus wieder näherten. Meine Tochter lachte mich aus, wegen der Ängste die ich ausstand. Ansonsten verlieg alles weiterhin reibungslos.

An der Geburtstagsfeier eines Nachbarssohnes ließ ich Wido nicht in den Garten, erst als alle Gäste gegangen waren. Wido war so schnell um die Ecke im Garten verschwunden, das wir uns wunderten. Wir folgten ihn und fanden ihn am Schwenkgrill. Er schleckte genüßlich das Fett von den Gitterstäben. Gottseidank war das Gerät schon länger aus und so konnte ihm nichts passieren.

An einem anderen Tag stahl er sich ein trockenes Brötchen vom Gartentisch. Eine Wurst fand sich auch schnell in seiner Schnauze wieder. Naja, das arme Tier hatte ja in den letzten Tagen kaum was zu sich genommen. Und ihm die Wurst wegschnappen? Ich bin doch nicht lebensmüde! Ich hoffe einfach, das seine Diät nicht darunter leiden würde.

Beim nächsten Spaziergang den ich machen musste flüssterte meine Tochter mir ins Ohr:" Weißt du eigentlich was passiert wenn man zu Wido sagt, wo ist die Katze?" Nein, weiß ich nicht und ich wollte es auch nicht wissen. ""Auf Katze reagiert er gar nicht, aber wenn man sagt Wido wo ist die Mietze.... Sie hatte es kaum ausgeprochen, da machte Wido einen Satz nach vorne und ich wäre fast umgefallen. Stefanie lachte und lachte und flüsterte dem Hund immer wieder zu, wo wohl die Mietze sei. Nachdem er begriffen hatte, das Steffi ihn nur provozieren wollte, blieb er ruhig an der Leine. Stefanie liefen die Tränen über die Wangen. Ja sie hatte riesigen Spaß daran.

Da es Sommer war, wurde oft im Garten gegrillt. So auch an diesem letzten Abend. Wido fuhr zur Höchstform auf und jagte Racker weg, sobald er sich dem Grill näherte. Dann jaulte Racker plözlich laut auf. Er rannte in eine Ecke, hechelte und zitterte am ganzen Leib. Wido machte Anstalten auch die Männer nicht mehr an den Grill zu lassen, so das mein Mann ihn am Halsband packte und in die Wohnung brachte. Racker blieb in gebührenden Abstand zu ihm. Doch bald lagen sie wieder friedlich nebeneinander und Racker schlief am Bauch von Wido. Am nächsten Morgen kamen Antje und Steffi um ihren Hund abzuholen. Und was glaubt ihr, was sie ihm als erstes gegeben haben? Zwei dicke fette Schweineohren!Naja, es hat ihm nicht geschadet. Denn er hatte bei uns 2 einhalb Kilo abgenommen.