Dies und das. Mal schaun von was


Kurt und seine Familie

Kurt saß mit seinem Freund Mike, der eigentlich Michael hieß, auf einem Erdhügel am Robinsonspielplatz in Rheinhausen. Michael war nicht so recht bei der Sache als sie Indianer spielten und darum fragte der achtjährige Kurt seinen Freund: „Was is`n los mit dir? Fahrt ihr bald in Urlaub oder warum bist du so langweilig?“ „Klar, übermorgen fliegen wir nach Spanien. Ist nen cooles Gefühl so hoch oben im Himmel. Zuerst kannst du noch alles erkennen, aber dann werden die Häuser immer kleiner und kleiner und dann sieht es aus als hättest du unter dir eine ganze Stadt wie aus Legobausteinen“, antwortete ihm Mike. Dann sah er, dass Kurt traurig wirkte und fragte ihn: „Und du, fährst du irgendwann noch weg?“ „Ich glaub nich. Mein Vati hat immer so viel zu tun und kommt doch auch erst spät nach Hause. Na und du weißt ja, letztes Jahr hatte er auch erst Urlaub nach den Ferien, obwohl Mama so viel gemault hat, von wegen schulpflichtiges Kinder und so. Weißt du, was daran so wichtig ist?“ „Nö, is ja egal, aber schade is es schon das du nicht in Urlaub fährst. Aber weißt du was? Ich rede mit meiner Mutti und dann kannst du nächstes Jahr mit uns in Urlaub fliegen, was hältst du davon?“ „Prima,“ antwortete Kurt nur halbherzig. Er konnte schließlich nicht zugeben, dass er ohne seine Eltern nicht sein wollte.

Aber dann hätte ihn Mike wohl ausgelacht, das wollte er natürlich nicht. Traurig sah Kurt in die Ferne. „Mensch Kurt, da gibt’s beim Rathaus so kleine Hefte, Ferienpässe sagt mein Bruder Holger, die kosten nur elf Euro und da kannst du ne Menge machen. Minigolf spielen, Pit-Pat, Bowling und sogar jeden Tag ins Schwimmbad gehen, ganz für umsonst. Dann kannst du auch ne Menge unternehmen.“ versuchte Michael seinen Freund aufzumuntern und puffte ihn in die rechte Seite. Dann zog er ihn am Ärmel in den Streichelzoo. „Ich schick dir auch ne Karte aus Spananien!“ versuchte Michael seinen Freund doch noch aufzumuntern. Doch Kurt lächelte nur und fragte ihn: „Sehen wir uns denn morgen wenigstens noch? Treffen wir uns morgen hier wieder?“ „Klar, gib mir fünf!“ Bei diesen Worten klatschten sie sich in die Hände wie sie es in dem Film –Guck mal wer da spricht- mit John Travolta gesehen hatten. Es war ihr ganz besonderer Freundschaftsgruß, wenn sie sich trafen und wieder verabschiedeten. Mit keinem anderen durften sie dieses Ritual ausüben, außer mit ihren Vätern, denn die waren ja neben dem allerbesten Freund auch der beste Freund, den sie hatten.

Kurt machte sich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Er überlegte ob er sich noch eine Videokassette ansehen sollte, doch dann fiel ihm seine Schwester Isabella ein. „Die hat bestimmt ihren neuesten Macker da. Da werde ich wohl nicht ins Wohnzimmer können. Egal, dann verzieh ich mich auf mein Zimmer und spiel mit meinem Gameboy!“ bei diesen Gedanken wühlte er in seiner Hosentasche und fand das Spiel, welches Mike ihm auf dem Spielplatz in die Hand gedrückt hatte. „Mega stark, das Neueste vom Neusten!“ hatte Mike versprochen. Als Kurt an der Ecke zum Flutweg einbog, sah er gerade seinen Vater in die Parkbucht vor ihrer Haustüre einbiegen. Überrascht begann er zu laufen. So früh kam der Vater selten nach Hause und es musste etwas Besonderes passiert sein.

Außer Atem erreichte er die Türe. Sein Vater stand mit dem Schlüssel in der Hand noch in der Tür. „Hallo Kurt. Ich hab eine Überraschung für dich!“ Abwartend starrte er seinen Vater an. „Papa hat überraschend doch noch Urlaub in den Ferien bekommen und nun fahren wir übermorgen in Urlaub. Und ich weiß auch schon wo hin, aber das verrat ich dir später. Na, was sagst du?“ „Hurra, hurra, wir fahren in den Urlaub!“ schrie Kurt und sprang seinem Vater an den Hals. Nelson drückte seinen Sohn an sich und streichelte ihm über den Kopf. Kurt war sein Ebendbild, nur sehr viel kleiner. Und Nelson war glücklich seinem Sohn eine so große Freude bereiten zu können. „Na, dann wollen wir mal deiner Mutter und Isabella die tolle Neuigkeit mitteilen!“ Mit diesen Worten setzte er seinen Sohn im Flur des Einfamilienhauses ab und gab ihm einen Klaps auf den Hintern. Kurt warf einen Blick ins Wohnzimmer und da er seine Schwester nicht sah, rannte er die Treppen hinauf zu dem Kinderzimmer während er lautstark schrie:“ Hurra, hurra wir fahren in den Urlaub!“ An Isabellas Türe fasste er nach der Klinke, drückte sie hinunter und schrie wieder: „Bella, Bella wir fahren....“Weiter kam er nicht.

Isabella fauchte ihn an und übertönte sein Freudengeschrei: „Erstens: Du sollst klopfen, wenn du in mein Zimmer kommst. Zweitens: Du sollst mich nicht Bella nennen. Nie wieder. Und drittens: Ich habe keinen Bock in den Urlaub zu fahren!“ Der Grund für das mangelnde Interesse an einem Urlaub saß neben Isabella. Daniel, 17 Jahre alt mit nur wenigen Pupertätspickeln im Gesicht, aber sonst ein hübscher junger Mann. Dieser junge Mann hatte vor knapp vier Wochen Isabellas Herz im Sturm erobert und Kurt einen schweren Verlust erleiden lassen. Seine große Schwester war nicht mehr so liebevoll mit ihm, wie sie es vordem war. Und Bella, durfte er auch nicht mehr sagen. Dabei hatte er sie immer so genannt. Er kannte es gar nicht anders.! „Wat willst du denn schon wieder hier!“ fauchte Kurt den Freund seiner Schwester an. Dieser starrte Kurt nur leicht irritiert in die Augen.

Wortlos drehte er sich um und ging in die Küche zu seiner Mutter. Setzte sich an den Küchentisch und sagte laut und anklagend:“ Bella, will nicht. Ach ne, Isabella muss ich ja jetzt sagen!“ „Na, da hat deine große Schwester aber keine Chancen, denn alleine bleibt sie mir nicht zu Hause. Ach Kurt, nimm es nicht so schwer mit Bella. Weißt du, Bella ist verliebt, aber deswegen hat sie dich trotzdem lieb. Ich weiß, dass dir das alles nicht so gut gefällt, aber so ist das nun mal, wenn die Menschen verliebt sind!“ versuchte sie ihren Sohn wieder aufzumuntern, dessen Freude durch Bella stark gedämpft worden war. „Buh, äh. Verliebt! Du meinst wohl total verknallt ist sie in den. Weißt du, ich mag Daniel ja eigentlich. Aber Bella ist so komisch, seit sie mit ihm zusammen ist. Kann Daniel denn nicht mitfahren?“ fragte Kurt. „Daniel fährt selbst mit den Eltern in Urlaub, das allerdings weiß Bella erst seit ein paar Minuten. Daniels Mutter hat gerade mit mir telefoniert. Sie wollten Bella eigentlich einladen mit ihnen zu kommen, aber das war mir nicht recht. Aber wenn wir erst einmal fahren, wird es Bella sicherlich gefallen. Wart´s nur ab!“ antwortete ihm Barbara.

„Von wegen, mir und gefallen. Da hätt ich so schön in`e Türkei fliegen können, und meine Mudder die Spießerin stellt sich an. Außerdem wat hätt ich denn davon, kene Freunde und nur mein kleiner blöder Bruder ist dabei!“ maulte die 16 Jährige Isabella lautstark in der Küchentür stehend. „Isabella! Du sollst nicht so abwertend über deinen Bruder reden, und zweitens will ich keine weitere Diskussion zu diesem Thema. Du kennst Daniel erst knapp sechs Wochen und da glaubst du wohl nicht, dass ich einen gemeinsamen Urlaub mit euch dafür opfere. In den Herbstferien können wir darüber noch mal reden. Und Ende der Rede!“ schimpfte Barbara.

Isabella zuckte mit den Schultern, rannte in ihr Zimmer und knallte die Tür zu, um sich schluchzend auf ihr Bett zu schmeißen. Kummervoll schaute Nelson, ihr Vater die Treppen hinauf ehe er in die Küche ging, seiner Frau einen Kuss auf die Wange gab, um sich neben Kurt auf die Eckbank zu setzen. „Weiber!“ flüsterte Kurt seinem Vater zu. „Ja, ja. Wo die Liebe hinfällt. Wart´s ab, du kommst auch noch da hin. Egal, du und Mama ihr freut euch aber, oder? „Ja klar. Du Vati? Wo fahren wir denn hin? Oder fliegen wir vielleicht auch nach Spanien so wie Mike?“ fragte Kurt erwartungsvoll und seine himmelblauen Augen leuchteten dem Vater intensiv entgegen. „Nein Kurt, zum Fliegen langt es nun doch nicht. Wir fahren mit dem Auto bis nach Duisburg zum Hauptbahnhof und von da mit dem Zug Richtung Schweiz. Wir fahren nach Fermel Matten im Simmental. In den Berner Oberalpen.“ „Oooch!“ zog Kurt dieses Wort in die Länge. „Was willst du Kurt! Wir haben dort ein eigenes Haus. Rund um uns herum Bauernhöfe mit vielen Tieren die du so sehr liebst und in den Bergen ist es wirklich sehr schön. Es ist nicht wie in der Eifel. Die Berge sind viel höher und größer, ich glaube das kann ich dir in Worten gar nicht erklären. Auf jeden Fall sind die Berge in der Eifel dagegen Winzlinge. So musst du dir das jedenfalls vorstellen. Was meinst du? Kannst du das?

„Ich glaub schon. Und da sind ganz sicher Bauernhöfe? So mit Kühe? Schweine? Pferde und so?“ Kurt Interesse war schon geweckt. „Sicher, aber ob sie da auch Pferde haben, weiß ich nicht!“ Antworte ihm der Vater. „So und nun sieh zu, dass du dein Abendbrot isst und anschließend in die Falle. Aber das du mir nicht vergisst die Zähne zu putzen. Und morgen kannst du schon mal anfangen, deinen Koffer zu packen!“ Vor Aufregung konnte Kurt nur schwer einschlafen. In Gedanken war er bei Mike. Na der würde Morgen aber Augen machen, wenn der ihm diese Neuigkeiten erzählen würde.